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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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189
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DER DEUTSCHE KANZLER KASPAR SCHLICK

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in Gunst steht..., so bestimmen wir, daß ihr ihm 1000 Dukaten ver-sprecht, um ihn auf jede Weise für unsere Sache zu gewinnen.» DieserKanzler des Deutschen Reiches, zu dem Barbaro in nähere Beziehungtritt, ist eine merkwürdige und glänzende Erscheinung. Er war demEnea Silvio Piccolomini , während langer Jahre seinem Mitarbeiter inder Reichskanzlei, vertraut. Enea Silvios reizvolle Novelle, die Liebes-geschichte von Euryalus und Lucrezia, spielt gerade in diesem Jahr, alsder Kaiser auf der Rückkehr von Rom sich in Siena aufhielt. Derschöne und galante Euryalus ist kein anderer als dieser Kanzler. Erhat unter drei deutschen Königen gedient, jedoch nicht ganz uneigen-nützig, denn man konnte später nachweisen 61 , daß er aus eigner Macht-vollkommenheit sich mit großen Ländereien belehnte und dazu diekaiserlichen Siegel fälschte, so daß er schließlich unter Friedrich III.gestürzt wurde. Damals in Siena erhob ihn Sigismund zu seinem all-mächtigen Kanzler, und nach persönlicher Bekanntschaft sehen wirBarbaro in den nächsten Jahren mit ihm in eingehendem politischemBriefwechsel. Nun mußte der Kaiser, um nach seinen Landen wiederheimzukehren, durch venezianisches Gebiet reisen, und die Signoriebeauftragte zwölf Edelleute, ihm das Geleit bis an den Gardasee zu geben.An der Spitze stand ein älterer Nobile, Andrea Mocenigo, der Bruderdes verstorbenen Dogen, der Sprecher aber war Francesco Barbaro 62 .Die Gesandtschaft zog feierlich dem Kaiser bis nach Ferrara entgegen.Der Doge trug ihr auf, zuerst dem Markgrafen Niccolö d'Este Be-glaubigungsschreiben abzugeben er war der nahe Freund der Vene-zianer oder in dessen Abwesenheit seinem Sohne Lionello, der anseiner Stelle Regent war, solange er nicht in Ferrara weilte. Lionello, ob-wohl unehelicher Sohn des Markgrafen, ist der Kronprinz des Landes,denn Niccolö hatte den älteren Sohn, der ihm auf dem Throne folgensollte, hinrichten lassen. Es ist eine dunkle Familientragödie, bei der einÜbermaß der Leidenschaften von Liebe und Haß zur blutigen Kata-strophe trieb. Die Söhne Este waren außerordentlich schöne Menschen,wie besonders ein erhaltenes Bild Lionellos zeigt. Als der Vater nocheinmal geheiratet hatte und die junge und schöne Parisina heimführte,entbrannte sein ältester Sohn in verbotener Liebe zur Stiefmutter, bisder Ort der Zusammenkünfte des Liebespaares dem Vater verraten wurde,