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die umsichtigsten Provveditoren zum Heere ab, aber umsonst; Giusti-niani spottet bitter, es habe den Anschein, als ob die Söldner Füße nurzum Davonlaufen hätten und die Waffen statt gegen den Feind nur zurBedrängnis der Venedig noch treuen Bundesgenossen gebrauchten. Dader Feind sichtlich näher rückte, mußte Barbaro die Stadt in Vertei-digungszustand setzen. Bei der Verproviantierung bemerkt er, daßhabgierige Leute versuchen, Getreide zu verschieben, öffentlich brand-markt er die Habgier der Unterbeamten, die den Hunger und das Ver-derben der Stadt heraufbeschwören. Nur seiner Voraussicht war es zudanken, daß zwei große mit Getreide gefüllte Scheuern, die der vene-zianische Provisor für die Verfütterung an die Pferde vorgesehen hatte,gegen dessen Willen auf Befehl Barbaros unangetastet blieben und alseiserner Bestand für die Soldaten bis zum äußersten aufbewahrt wurden.Ohne diese Maßnahme hätte sich die Stadt während der letzten Monateder Einschließung unfehlbar wegen Hungers ergeben müssen. Als danndas Futter für die Pferde knapp wird, lobt Barbaro immer im Bestreben,seine Leute gutwillig zum Notwendigen zu veranlassen, die Reiter, dieden Ruhm höher achteten als ihre Gäule, die ihr eigner Besitz waren.Andererseits fordert er die Bürger auf, ihre Streu als Pferdefutter undLager für die Bespannungen herzugeben, «damit sie versuchen sollten,in Pflichttreue (pie) mit den Reisigen zu wetteifern und sich in Dienst-willigkeit zu übertreffen, wenn sie für die Pferde ihre Bequemlichkeitund jene für die gemeinsame Freiheit Pferde, Waffen und ihre Habselig-keiten opferten».
Sodann schritt er zur Bewaffnung der Bürgerschaft. Schon vor seinerAnkunft hatten die Brescianer vier maestri di guerra gewählt, die sichstets in der Begleitung von Podestä und Capitano halten sollten, umderen Befehlen gewärtig zu sein. Die beiden Rektoren — so werdendie venezianischen Stadtoberhäupter in den Provinzstädten genannt —wählen sich unter diesen vier Kriegsmeistern den Pietro Sala als ihrenAdjutanten aus, der immer mit ihnen ausreiten soll. Er erhält die beson-dere Aufgabe, einen bekannten Unruhstifter, dem man Arges zutraut, zuüberwachen. Den Brescianern wurde von der Signorie und dem Dogenbestätigt, daß sie von persönlichen Diensdeistungen befreit sein sollten.In Kriegszeiten wird aber die Ausnahmebewilligung hinfällig. In der