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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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DIE BESTÜRMUNG BRESCIAS

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samen mit sich nach vorne; man hält die zweite Schanze, von der allesHeil abhing. Vor dieser lagen einige Fässer mit Steinen und Schutt, diejetzt den Verteidigern zur Deckung dienen. Italiano greift immer wiedervergeblich an und muß sich schließlich bei Einbruch der Nacht vollWut zurückziehen, da er sieht, daß auch Piccinino zurückgeht 61 .Nach diesem ersten großen Angriff trat kaum eine Ruhepause ein. DasBombardement dauerte ununterbrochen an. Unterdes mußten die Be-lagerten ihre Stadtmauern wieder in einen leidlichen Verteidigungs-zustand setzen. Am 10. Dezember tritt Taddeo d'Este vor den Rat underklärt in Anwesenheit der Rektoren, er könne bestimmt sagen, daß derFeind in zwei bis drei Tagen einen neuen Angriff unternehmen werde,und zwar an drei Stellen, deren Lage ihm bekannt sei. Barbaro begibtsich darauf sofort an die drei genannten Plätze, die er noch ganz zer-fallen findet. Er vermeidet es, die Gefahr zu übertreiben, weil er die Bürgernicht überflüssig aufregen möchte, doch mahnt er alle Einwohner, ohneAnsehen der Person, des geistlichen Standes oder des Geschlechtes andieses neue Werk Hand anzulegen 62 . Jetzt tagt statt des Rates einAusschußvon 13 Bürgern in der Loggia wie in einem neuen Prytaneion, denn keinerdarf sich, auch nicht zum Essen, entfernen, damit man stets beschluß-fähig bleibe. Als vierzehnter wird ihnen der Abt von Leno beigegeben,der sich um die Verteidigung die größten Verdienste erwarb. An den dreiStellen verfügt Barbaro die Anlage eines noch stärker befestigten zweitenGrabens. Er mußte auf alle Möglichkeiten gefaßt sein, denn die Bürgerwurden durch die ständige Beschießung schon mürbe und begannen anihrem Los zu verzweifeln. Aber im mailändischen Lager steht es nichtbesser. Piccinino hatte im ganzen Feldzug wohl schon 5000 Mann ver-loren. Der Winter war kalt und neblig und die Truppen unzufriedenüber die mißglückten Stürme. Auch machte nun das Heer des Gatta-melata, das den Markgrafen von Mantua aus dem Gebiet von Verona verjagt hatte, im Mantuanischen Fortschritte. So bereitet Piccinino einenletzten großen und allgemeinen Angriff gegen Bresciavor und lockt seinemurrenden Truppen mit dem Versprechen der Plünderung der Stadtund mit der Aussicht auf große Beute. Auf der andern Seite war denRektoren von Brescia die bedrängte Lage des Feindes wohlbekannt, undsie verfehlten nicht, darauf hinzuweisen und ihre niedergeschlagenen

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