KÄMPFE IN DEN ALPENTÄLERN
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angespanntesten Handelns zur Abwehr der feindlichen Stürme genommen war, regtesich wieder seine literarische Begabung; nicht nur zu ermunternden, dankenden undtröstenden Briefen an die bedrängten Herren von Lodron, sondern rein aus der Lustan der Darstellung verfaßt er einen Kampfbericht für die Stadt Bergamo 82 , die, auchzu Venedig gehörig und noch weiter gen Westen auf Mailand zu gelegen, jedoch seit-ab, nicht den feindlichen Hauptstoß wie Brescia auszuhalten hatte. Wir hörten, wiesie während des feindlichen Sturms auf Brescia die Schwesterstadt unterstützte 83 .Unter den vielerlei Seiten seines Briefstils zeigt er hier die des Chronisten der Kampf-handlungen. Zum Jahresbeginn 1439 hatte er Pietro Avvogadro mit Hilfstruppen indie Alpentäler zu Paris gesandt. Damit der Lodron aber in seiner gefährlichen Lagenicht wankend würde, weiß Barbaro ihm zu hinterbringen, daß sein besondererFeind, der Bischof Alexander von Trient, schon mit den Mailändern verhandle unddas Versprechen erhalten hätte, daß er nach Unterwerfung des Paris dessen Ländcheneinstecken dürfe, nach dem es ihn schon so lange gelüstete. Jetzt aber lockt Barbaroden Paris Lodron : die Bergbewohner der Brescianer Landschaft dürften es sich nichtentgehen lassen, den vor Brescia geschlagenen Feind in den engen Alpenschluchten zuüberfallen; dies zu vollbringen sei wahrlich leichter als die Heldentaten der BrescianerStädter auf den zusammengeschossenen Mauern 84 . Den Bergamasken erzählt Barbaroin knappen, den Berichten Casars ähnlichen Sätzen von dem geglückten Uberfall:«Wir handelten schnell, 500 auserwählte Soldaten zu Fuß (darunter die bekannten400 Brescianer Unsterblichen) wurden unter Gherardo Dandolo, einem Edelmann undunserem Mitbürger, eiligst nach Lodron gesandt; zwischen hier und der Nociawarfen sie den Feind und hieben ihn zusammen, stießen mit solcher Geschwindigkeitbis zum (Bergstädtchen) Castel Romano vor, daß Italiano Furlano, der kampfwütige,von etwa einer Legion unter dem erlauchten Paris von Lodron und unsern Soldatennach erbittertem Kampf geworfen und in die Flucht geschlagen wurde. Dabei wurdenso viele Feinde getötet und gefangen, daß, wer lebend davonkam, von Furcht und Ent-setzen vor dem Krieg oder auch durch die Beschwerlichkeit der Wege aufgeriebenwurde 86 .» Das war die Rache, die Barbaro an seinem grausamen Widersacher nahm. Beidem Gemetzel wurden auch die deutschen Hilfstruppen erschlagen, die der Bischofvon Trient dem Italiano zugesandt hatte. In Siegesfreude brachte man den GrafenGaleazzo von Arco (am Gardasee ) samt hundert seiner Reisigen als Gefangene nachBrescia . Den Italiano hätte Barbaro bei dem Handstreich gerne gefangen; der schlugsich aber mit dem Rest seines Heeres über unwegsame Bergpässe durch, und niemandwußte, wo er hingeraten war, als Barbaro sich nach ihm bei Paris erkundigte. Bei derRückkehr ihrer Unsterblichen zündeten die Brescianer Freudenfeuer an, läuteten dieGlocken und veranstalteten drei Tage hintereinander feierliche Prozessionen. Dochbedeutete diese günstige Wendung nur ein Aufatmen, denn der Oberfeldherr Piccinino wollte die Schlappe wettmachen und zog mit seinem Hauptheer und der Artillerie vorLodron, das er noch mitten im Winter zur Übergabe Zwang. Jedoch das letzte festeSchloß, auf das sich Paris und seine Söhne zurückzogen, konnte er wegen der Kältenicht erobern. Als dann nach einigen Wochen Herr Paris stirbt und seine jungen