MAILÄNDISCHE EHRUNGEN FÜR BARBARO 265
Triumphzügen glichen: wo er nur durchreiste, jubelten ihm nicht nurdie Gelehrten, sondern auch das Volk zu, denn er war durch seine Kriegs-taten in Italien eine volkstümliche Gestalt geworden. Auch wußte er inallen Lagen das Ziemliche und die Würde zu wahren. Bezeichnend dafürist ein Zwischenfall, der sich auf einer dieser Reisen zutrug 21 . Sein jungerNeffe Daniel begleitete ihn und geriet aus irgendeinem Grunde in einZerwürfnis mit dem Zahlmeister der Gesandtschaft, der ein jähzornigerMann war und den Jüngling tätlich bedrohte. Daniel flüchtete zu seinemOnkel, der gerade in die Lektüre eines griechischen Werkes vertieft war.Barbaro beschied den Zahlmeister vor sich, um ihm wegen seines Be-nehmens Vorhaltungen zu machen; der aber kümmerte sich nicht darumund unter Hintansetzung allen Respektes beschimpfte er jetzt Barbaroselbst. Alle Anwesenden waren entsetzt über den unerhörten Auftrittund erwarteten, daß nun über den ungebärdigen Untergebenen ein Un-gewitter hereinbrechen werde. Aber Barbaro sagte nur: «Scher dich imguten und sieh dich für die Zukunft besser vor, denn ich möchte nichtum deinetwillen wegen deines Geschimpfs meine Geduld, die mir ab-zuringen mühsam war, verlieren.» Dann ließ er den Menschen stehen,ging in sein Schlafgemach, um bequem zu lesen, mit einem Gesicht undeiner solchen Ruhe des Gemüts, als wäre er gar nicht bei einem der-artigen Wortwechsel dabei gewesen.
Zwei Jahre noch seit der Rückkehr Barbaros aus Mailand hielt der Friede,doch suchte der Herzog währenddessen seinem Schwiegersohn, wo er nurkonnte, zu schaden. Nachdem Sforza seinen neapolitanischen und römi-schen Besitz eingebüßt hatte, wollte der über ihn erzürnte Herzog, dendie Geburt eines Enkelkindes, des Galeazzo Maria Sforza , nur vorüber-gehend besänftigen konnte, dem Grafen auch noch die oberitalienischenBesitzungen entreißen. Unter dem Vorwand, er habe seiner TochterBianca nur 100000 Lire als Mitgift versprochen und dafür die StädteCremona und Pontremoli nur als Pfand gegeben, schickte der Herzogseine Truppen zur Besetzung dieser Städte aus. Den Venezianern bot eraber an, die strittige Summe für Sforza bei ihnen zu hinterlegen. Venedigsandte sofort den Lodovico Foscarini, den jüngeren Freund Barbaros, anden Herzog, um ihn zu warnen, in seiner Bestürmung Cremonas fort-zufahren, da er sich sonst ganz Italien zum Feinde mache. Der junge