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Herzog von Mailand sich neulich nach Pavia zurückgezogen habe, da erso hartnäckig den Krieg führt, daß er, scheint es, alle Hoffnung nur aufdas eine setzt: auf die vollständige Verzweiflung am Frieden 28 ».Um aus Mittelitalien loszukommen, verkaufte Graf Sforza zuerst dieStadt Jesi , die ihm gehörte. Mit dem Erlös konnte er seine alten Truppenfür den Marsch nach Mailand löhnen, wohin er sich im August in Be-wegung setzte. Da, am 13. August, stirbt Herzog Filippo Maria nichtvon Mörderhand, wie er erwartet hatte, sondern eines natürlichen Todes.Mit ihm erlischt das Haus Visconti, das 170 Jahre Mailand beherrschthatte. Über die Erbfolge ordnete er nichts an, denn er pflegte eine ähn-liche Gesinnung wie später Ludwig XV. mit seinem bekannten: Apresnous le deluge! und selbst auf dem Sterbebett weigerte er sich, etwasüber seine Nachfolge zu bestimmen, weil es ihm ingrimmige Freudemachte, daß nach seinem Tode alles in größter Wirrnis zusammenbrechenwerde, (wie Pier Candido Decembrio in der Lebensbeschreibung desVerstorbenen, vor dem er sich nicht mehr zu hüten brauchte, vermutet).Auf den mailändischen Thron wurde von vier Seiten Anspruch erhoben.Das Haus Orleans war mit dem verstorbenen Herzog verschwägert; dochhat dieser Anspruch erst zwei Generationen später wirksam gemachtwerden können, als Ludwig XII. aus diesem Hause König von Frank-reich geworden war und den letzten Sforza, Lodovico il Moro , stürzte.Dann versuchte der deutsche Kaiser Friedrich III. durch den KanzlerKaspar Schlick Mailand als erledigtes Reichslehen einzuziehen, doch ver-fügte er längst nicht mehr über genügende Macht in Italien , um diesenAnspruch durchzusetzen. König Alfonso d'Aragona stützte sich auf einangebliches Testament, in dem der Herzog ihn als seinen Erben eingesetzthabe; das wurde aber von den Anhängern Sforzas, der die nächsten Erb-ansprüche als Schwiegersohn geltend machte, bestritten. Die Umgebungdes sterbenden Herzogs hatte die Krankheit bis zu seinem Tod verheim-licht; nun hißte die aragonesische Partei die Fahne des Königs. Schließlichwurde von der Bürgerschaft verfochten, daß Mailand ursprünglich eineRepublik gewesen sei, bevor die tyrannischen Visconti die bürgerlichenFreiheiten unterdrückt hätten.
Ein neuer bedeutsamerWendepunkt war erreicht,und noch am selbenTage,als die Botschaft eintraf, sendet Barbaro einen langen, klugdurchdachten