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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VIII ALTERSWEISHEIT

Gesandtschaftsreise zu Filippo Maria, und auf einer weiteren traf er in Rom mit Barbaro zusammen. Als sein Vater Giovanni dei Bicci de'Medici, derin Florenz eine nach innen und außen versöhnliche Politik befürwortethatte, 1429 gestorben war, spitzten sich die schon schwierigen florentini-schen Parteiverhältnisse noch mehr zu, weil seine jungen Söhne Cosimound Lorenzo ehrgeizigere Pläne in der Politik verfolgten, als er sie gehabthatte; jedoch zunächst schlugen sie fehl. Man legte den jungen Medici zurLast, zum unglücklichen Kriege gegen Lucca geraten zu haben, und in-folgedessen sollten sie auch für die Niederlage verantwortlich sein. Wäh-rend des ersten mailändischen Krieges nämlich hatte der Herzog FilippoMaria seine beiden Kondottieren Piccinino und Sforza gemeinsam zurEntsetzung von Lucca gesandt, so daß die Florentiner eine schwereNiederlage erlitten. Der Todfeind der Medici, Rinaldo degli Albizzi ,hoffte nun, die Gewalt in der Stadt an sich reißen zu können, undsetzte durch, daß beim jährlichen Amtswechsel 1433 eme den Medicifeindlich gesonnene Signorie gewählt wurde. Cosimo reiste sogleich aufsLand, um nicht durch seine Anwesenheit die Erbitterung noch zusteigern; dort erreichte ihn die Vorladung nach Florenz. Die Freundewarnten ihn, ihr Folge zu leisten, aber er stellte sich mit dem Bewußt-sein eines guten Gewissens seiner Behörde, die ihn unverzüglich in denKerker warf. Aus Furcht, vergiftet zu werden, enthielt er sich vier Tagealler Speise. Unter den maßlosen Feinden, die seine Hinrichtung verlang-ten, war auch der haßerfüllte Filelfo; doch drang seine Meinung nichtdurch, zumal aus Cosimos Geldbörse eine erhebliche Zuwendung in dieTaschen des Gonfaloniere floß. Dies hatte zunächst den Erfolg, daß demGefangenen ein sicherer Wächter bestellt wurde, damit ihn seine Feindenicht im stillen umbrächten; sodann redete ihm der Kerkermeister güt-lich zu, wieder Nahrung zu sich zu nehmen: er wolle zu Cosimos Sicher-heit selber mit ihm speisen. Um den Medici in seiner düsteren Launeaufzuheitern, ließ er sogar einen Spaßmacher ins Gefängnis kommen 44 .Als Barbaro von den verhängnisvollen Ereignissen in Florenz hörte,war er erschrocken und um das Schicksal seiner Freunde besorgt. Erschrieb sogleich an Angelo Acciaiuoli 45 , den er schon auf seinen erstenFlorentiner Reisen mit den Brüdern Medici ausgesöhnt hatte; (vor-her waren sie nämlich durch lange Familienfehde mit ihm entzweit