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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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285
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VERBANNUNG DER MEDICI NACH VENEDIG 285

gewesen). Er nehme an dem bedauerlichen Ereignis, sagt Barbaro, ebensovon Staats wegen wie persönlich Anteil; da er um das Wohlergehender Republik Florenz nicht minder besorgt sei als um das Leben seinerFreunde, so könne er Acciaiuoli nicht verhehlen, welch großen SchadenFlorenz durch den Verlust seiner besten Bürger erleiden werde, denner, Barbaro selber, sei Zeuge gewesen, in welchem Maße Cosimo seinePerson und seinen Besitz in den Dienst der Vaterstadt Florenz gestellthabe, und auch jetzt müsse er die im Mißgeschick feste Haltung desCosimo loben, denn er und sein Bruder Lorenzo wollten nur für undnicht gegen ihr Vaterland streiten. «Du weißt doch, es läßt sich keine aus-reichend gerechte Ursache finden, daß wir gegen Vaterland oder ElternGewalt mit Gewalt beantworten dürften (wenn freilich die Rottenoch fürs Vaterland gelten kann, die aus Parteisüchten oder aus irgend-einem andern Grund mehr vermag als Gesetze und Senat) 45 .»In dieserDrangsal freut sich Barbaro der gemeinsamen Freundschaft Acciaiuolis,der sich tapfer für Cosimo einsetzt, und er beglückwünscht sich, daß esihm, Barbaro, früher gelungen ist, die Versöhnung zunächst mit Lorenzode'Medici und dann auch mit dessen Bruder zustande zu bringen.Inzwischen ist Rinaldo degli Albizzi in Florenz erzürnt, weil man Cosimoam Leben lassen will: Wenn man nicht ganze Arbeit leisten wolle, so solltedas Unternehmen ganz unterblieben sein. Ein lebender Cosimo bedeutefür das florentinische Volk die Knechtschaft und für die Gegner derMedici eine schwere Gefahr, rief er aus, und hatte damit nicht so ganzunrecht. Doch sprachen die Richter über Cosimo und die Seinen nur dieVerbannung aus; um aber die den Medici feindliche Regierung zufestigen, hielt man es für ausreichend, wenn man unter diejenigen, diegegen Cosimo gehetzt hatten, eine Geldspende verteilte. Auf seinemWeg in die Verbannung wurde der Medici allerorten wie ein Fürstgeehrt, so besonders vom Markgrafen von Ferrara, Niccolö d'Este.Dieser und Venedig hatten auf die Kunde von der Verhaftung CosimosGesandte zu seinen Gunsten nach Florenz geschickt, und Venedig ver-bürgte sich, daß es auf Cosimo einwirken werde, nichts gegen dieflorentinische Signorie zu unternehmen. Obwohl diese Gesandtschaft ihnnicht frei bekam, «pure la venuta loro giovö assai, perche c'erano diquelli che confortavano fussi morto, ed ebbono promissione non mi