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VIII ALTERSWEISHEIT
sarebbe fatto offensione (allein ihre Ankunft half mir sehr, denn manchebeteuerten, ich wäre des Todes, und sie [die Venezianer] erhielten dasVersprechen, es solle mir kein Leides angetan werden)», wie Cosimo selberin sein Tagebuch eintrug 46 . Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir be-haupten, daß auch Barbaro neben den anderen venezianischen Freunden,die die Gesandtschaft veranlaßten, Cosimo das Leben gerettet hat.Am ii. Oktober 1433 traf dieser in Venedig ein. Er bemerkt in seinenAufzeichnungen, daß er nicht wie ein Vertriebener, sondern wie ein Ge-sandter empfangen ward. Sein Bruder Lorenzo, der schon tags zuvorangekommen war, fuhr ihm, umgeben von venezianischen Senatoren,unter denen sich auch Francesco Barbaro befand, entgegen. Um sich fürseine Errettung zu bedanken, sucht er die Signorie auf und wird dortmit großen Ehren empfangen; man beklagt sein Unglück und verspricht,sich in jeder Weise in Florenz für ihn einsetzen zu wollen. Abermalsschickte Venedig Gesandte nach Florenz , um zu erwirken, daß sich dieBrüder Medici frei in den venezianischen Landen bewegen dürften,freilich in einer gemessenen Entfernung von Florenz . Während seinesAufenthaltes machte sich die Signorie häufig Cosimos ungemeine poli-tische Erfahrung zunutze, indem sie ihn zu ihren Beratungen zuzog undihn um seine Meinung befragte. In Florenz nannte man ihn darum nochlange den homo venetianus. Im Freundeskreis um Barbaro fühlten sichdie Brüder Medici so wohl, daß Cosimo einmal äußerte, er entbehre dieHeimat nicht. Seine Feinde hatten darauf gerechnet, daß seine Bank zu-sammenbrechen würde, wenn sie ihn gefangensetzten, aber die fremdenKaufleute sperrten ihm deswegen nicht den Kredit; im Gegenteil,eine große Summe Geldes wurde ihm aus dem Ausland angeboten undnach Venedig gesandt. Im geheimen und sehr geschickt bereitete er un-verzüglich seine Rückkehr vor, denn er hörte in der Verbannung nichtauf, für Florenz zu sorgen, und ließ der Regierung, die ihn vertriebenhatte, geheime politische Nachrichten von großer Bedeutung zukommen;von seinen weitverbreiteten Faktoreien erfuhr Cosimo nämlich die wich-tigsten Begebnisse der Welt schneller als irgendwer sonst. Schon EndeJanuar des nächsten Jahres konnte die florentinische Regierung nichtanders, als ihn für seinen Eifer in der Fremde beloben, und ihn ermuntern,darin fortzufahren. Um sich auch den Venezianern erkenntlich zu zeigen,