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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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LEONARDO GIUSTINIANI

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Vergeistigung ist, die die oberflächliche Schicht des gewöhnlichen Welt-treibens durchbricht und tiefer den geheimen Ablauf von Werden undVergehen spüren lehrt. Auch die Antwort, die der Heilige seinem Neffengibt, als dieser als Weltkind aus der Ebene der Beweisbarkeit der Dingeheraus ihn fragt: Woher weißt du, daß mein Vater Leonardo jetzt unterden Seligen ist? ist bezeichnend; denn solches Wissen, das aus inner-licherer Sphäre stammt, ist unmittelbare Eingebung, und es wäre nichtsgewonnen, wenn es sich anderswie in die Zone der Beweisbarkeit ver-schieben ließe. Deshalb sagt Lorenzo nur dies eine: <<Er ist gerettet;weiter sorg dich nicht!»

Barbaro hat es dankbar ausgesprochen, daß an den Toren seines Tat-Lebens diese ihm verehrungswürdigen Gestalten standen und ihm insÜberwelüiche hinüberdeuteten. Um von den Giustiniani Abschied zunehmen, gedenken wir noch eines schönen Briefpaares, das Barbaro undLeonardo beim Ableben des Marco wechselten 59 . Nachdem Barbaro ge-rühmt hat, wie nah sich die Brüder Giustiniani standen, denkt er über denLebenssinn des Verstorbenen nach und äußert ganz allgemein, es habewohl kaum einen Sinn, daß ein Mensch noch lange nach der höchstenRuhmestat seines Lebens auf Erden weile, denn er sei unter der Be-dingung geboren, so bald wie möglich sterben zu dürfen, wenn er durchseine Taten Berühmtheit erlangt habe. Da Marco selig gestorben sei, somüsse man nicht so sehr darauf schauen, daß sein Leben zu Ende wäre,sondern eher aufatmen, daß er den Todeskampf überstanden habe. Diesschreibt Barbaro kurz vor der Beschießung in Brescia ; er mag dabeiauch an sein eignes Schicksal gedacht haben, das ihm vielleicht baldeinen frühen Ruhmestod bereiten konnte. Die von Barbaro geäußerteAnsicht über Leben und Sterben ist bezeichnend venezianisch. Sie gehtaus dem uns schon bekannten Bewußtsein hervor, daß die HerrschaftVenedigs als Ganzes unsterblich sei und daß es auf das private Schicksaldes einzelnen nicht so sehr ankomme. Wenn der Mann nur in vollerKraft die notwendige Tat vollbracht habe, könne er zurücktreten undden Folgenden Platz machen. Dem Leonardo Giustiniani ging der Briefdes Freundes sehr zu Herzen: es habe ihm unter Tränen wohlgetan, daßFrancesco seiner Bruderliebe solche Ehre antue, es sei ihm, Leonardo,so, als ob seine Seele von Marco entführt werde und nun Tag und Nacht

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