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VIU ALTERSWEISHEIT
mit ihm im Jenseits der Zwiesprache pflege. «Ich liebte seinen Leib, weil erder Wohnsitz seiner Seele war; wenn sein Körper jetzt zu Staub gewordenist, so glaube ich, meinen Bruder in keiner anderen Weise verloren zu haben,als wenn er noch lebte, unser Haus aber verbrannt wäre 59 .»Es konnte nicht ausbleiben, daß die Jüngeren in einem solchen Manne,wie es Barbaro war, ihr Vorbild sahen. Unter den venezianischen Staats-männern der folgenden Zeit sind zwei seine besonderen Schüler; sienehmen auch im Briefwechsel Barbaros eine bedeutendere Stelle ein:Zacharias Trevisano der Jüngere und Lodovico Foscarini. Der erste hatbei ihm fast eine solche Stelle inne, wie sein Neffe Ermolao, war er dochauch der Sohn eines Zacharias, an dem Barbaro seine Pietas üben konntewie an den Söhnen des verstorbenen Bruders. Barbaro fühlte die innereVerpflichtung, dem nachgeborenen Kinde seines staatsmännischenLehrers den Vater zu ersetzen, es auf seinem Lebensweg zu betreuenund zu fördern. Als der Heranwachsende zuerst Priester werden wollte,verwandte sich Barbaro bei Kardinal Scarampo für ihn. Er erinnert denKardinal an seine, Francescos, Freundschaft zu dem älteren Trevisano.22 Jahre waren damals (1436) seit dessen Tode verstrichen, aber dasehrende Andenken, das ihm Francesco bewahrt, ist noch dasselbe wieam ersten Tag: «sie colo, sie observo, sie amo, ut neminem magis». Nunhat sich die Zuneigung auf den Sohn übertragen, der ihm ein jüngererBruder ist, da er sich selbst als Sohn des älteren Trevisano fühlt. SeinSchützling gab bald den Plan, Priester zu werden, auf und bereitete sichan der Universität Padua für den Staatsdienst vor. Mit großer Befrie-digung sah Barbaro zuerst die erfolgreichen Studien des Zacharias — beider feierlichen Doktorprüfung 1442 war er, wie wir wissen, selbst zu-gegen 60 — und er begleitete dann mit Anteilnahme die beginnende Staats-laufbahn des jungen Freundes. Man schickte den Trevisano 1445 gleichauf einen sehr schwierigen Posten, als venezianischen Residenten in dieunruhige und, wie wir aus Filelfos Briefen hörten 61 , stets zum Aufruhrgeneigte Stadt Bologna, doch verstand es Trevisano, wie Barbaro lobenderwähnt, bei «diesen vortrefflichen Bürgern» weder zu leichtgläubig zusein, wenn er sich im Schutze seines Palastes befand, noch zu furchtsam,wenn er im Freien war. Barbaro mahnt ihn, er solle so fortfahren undsich allen wohlgesinnten Bürgern leutselig erzeigen, damit man sähe, daß