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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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ZACHARIAS TREVISANO D. J.

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Venedig nur das Allerbeste für Bologna wünsche. Der väterliche Freundbeglückwünscht den Jüngeren, daß er schon die Stufe der Weisheiterklommen habe, die selbst Ältere zu erreichen sich nur wünschen, nichtsicher erwarten dürfen. Nach der Ermordung des Stadtfürsten Annibaleaus dem Hause der Bentivoglio, das von dem dort bis zu seinem Todegefangen gehaltenen König Enzio abstammte, mußte Trevisano sein Ge-folge bewaffnen, um das Stadthaus zu schützen. In solcher heiklen Lage,meint Barbaro, käme alles auf einen starken Charakter an, der einen festenreligiösen Rückhalt habe wiederum ein Gegensatz zur AuffassungMachiavellis , der dies für überflüssig erachtetvon dem aus er das wirreMenschentreiben verachten und sich ganz aufs eigne Urteil verlassenkönne, statt auf das Gerede der Menge zu hören 62 .Zacharias Trevisano stieg schnell wegen seiner ausnehmenden Be-fähigung zu den einflußreichen Ämtern empor, doch obwohl er alsPodestä von Verona an Würden Barbaro gleichsteht, so will er dochniemals aufhören, zu ihm wie ein gehorsamer Sohn aufzuschauen: «idemipse Zacharias tibi deditissimus omnino esse velim!» In seiner freudigenAntwort gedenkt Barbaro nochmals mit Ehrfurcht des Vaters ZachariasTrevisano und mahnt den Sohn, daß er in seinem neuen Amte den un-vergessenen Ruhm seines Vaters erneuern solle. 1452 kommt KaiserFriedrich III. von seiner Romfahrt durch venezianisches Gebiet und er-hebt den ihn begrüßenden Trevisano in den Ritterstand, eine Ehre, dieeinstmals Friedrichs Vorgänger in der Kaiserwürde, Sigismund, Barbaroerwiesen hatte. Barbaros Erwartungen sind, wie er voll Stolz über seinenSchützling schreibt, bei weitem übertroffen, denn diese neue Würdewerde nur gerechten und tapferen Männern zuteil. Zacharias hatte nochgezögert, ob er die kaiserliche Ehrung annehmen dürfe, und erst alsBarbaro dies billigt, willigt er ein 63 .

Von Lodovico Foscarini haben wir schon oft genug gehört, um zuwissen, daß er unter den jüngeren venezianischen Staatsmännern undFreunden Barbaros eine sehr bedeutende Rolle gespielt hat. An ihm kannman vielleicht am besten das Weiterstrahlen der Persönlichkeit Fran-cesco Barbaros beobachten. Giovanni degli Agostini weiß zwei Cha-rakterzüge an Foscarini hervorzuheben: «Lo zelo religiosissimo per lacattolica religione ed il sincero parzialissimo affetto verso la patria 64 .» Wir