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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
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VIII ALTERSWEISHEIT

hörten, wie er gläubig die Erscheinung der Heiligen Giovita und Faustinusauf den Wällen Brescias in der Entscheidungsschlacht Barbaros aufnimmt,und sehen, wie er im Staatsdienst den Spuren seines Führers und Vor-bildes Francesco Barbaro folgt. Er ist es vorzüglich, der den Ruhm desÄlteren während dessen letzten Lebensjahren verbreitet. Als Barbaro1449 von seiner Statthalterschaft im Friaul zurückkehrte, wurde er zumprinceps senatus, zum Senatspräsidenten, erwählt. Foscarini befand sichdamals gerade in Genua in schwierigem, sich allzu lang hinauszögerndenpolitischen Auftrag. Von dort sendet er seine Glückwünsche: «Du bisteinstimmig zum princeps senatus erwählt, und das mit vollem Recht, dain härtesten und schwersten Zeiten unser Staat eines solchen Führers,wie du es bist, dringend bedarf. . . Unter vielfachen Bedrängnissenquält mich dies zumeist, daß ich, du Ersehnter, dich nicht hören, sehenund umarmen kann, wenn du weise im Rat sprichst 65 ...» Die Gesandt-schaften, die Foscarini übernimmt, sind anders geartet als die Barbaros,dem alle Wege geebnet waren durch den großen Ruf, der ihm vor-anging. Foscarini muß sich dagegen immer unter Lebensgefahr durch-setzen, zuerst als er Zacharias Trevisano in Bologna 1446 ablöst unddann 1449 in Genua. Die zwischen Sforza und der Republik schwan-kende Politik der venezianischen Regierung in diesem Jahre erschwertedem Gesandten in Genua seine Aufgabe ungemein. Er schreibt darüberanschaulich an Ermolao Donato: ein solchem Aufruhr des erregtenVolkes gestehe ich gern zu, daß ich nicht (mit meinen Kräften) aus-reiche. Bei den guten und ernsten Bürgern, die sehr in der Minderzahlsind, werden unsere Worte kaum gehört, und groß ist die Zahl derer,die sich mehr von ihren Leidenschaften als von ihrer Vernunft leitenlassen. Der Wut wird keine Pause, der Besinnung keine Zeit gegönnt.Kaum halte ich mein Haus sicher vor ihren Nachstellungen und Verleum-dungen. Zudem hat der neue Sieg von Sforzas Heer den Mut unserer Feindeso gesteigert, daß sie, nachdem Jacopo Piccinino unterlegen ist, ganz offendem Grafen (Francesco Sforza ) unsere gesamte Herrschaft versprechen.»Aus diesen Worten Foscarinis kann man die große Gefahr ermessen, inder in diesen Jahren die Republik Venedig schwebte. Von der Ermordungdes Ermolao Donato ist auch Foscarini aufs tiefste betroffen, und wirkennen schon seine Worte der Klage um den entrissenen Staatsmann,