VIII ALTERSWEISHEIT
«Ketten fehlen nicht, Armut, Blöße, Schmutz, Entstellung, Trauer undJammer überall <und Tod in tausend Gestalten); die Fluren, die du so oftmit großer Freude blühend gesehen hast, haben ein trauriges Aussehen;erblicktest du sie jetzt, sie würden dich tiefer erregen als damals, alsdu durch deine Tapferkeit die feindlichen Legionen von Brescia zurück-schlugst.» Gewiß spricht hier aus Foscarini auch der Gegensatz von Zivil-und Militärverwaltung, hörten wir doch vor der Belagerung von Brescia von Leonardo Giustiniani ähnliche Klagen über die Kondottieren undihre gegen Freund und Feind gleich räuberischen Scharen.An der Spitze der von Foscarini Getadelten steht: «Bartholomaeus Colle-onus extremae avaritiae princeps 69 ». Wie alle Kondottieren, die wir kennen-lernten, steht auch dieser berühmte Feldherr bald in mailändischen, baldin venezianischen Diensten. Während der Brescianer Kämpfe war ereiner der venezianischen Unterfeldherren und unternahm einen erfolg-reichen Zug in die Alpentäler. Später, 1442, als Venedig im Friedenihm keinen Sold mehr zahlte, ging er zu den Mailändern. Herzog FilippoMaria schöpfte, wahrscheinlich mit Recht, Verdacht, daß ihm Colleoni nicht treu bleiben wolle.-Er steckte ihn deshalb zur Strafe in die unsschon bekannten Öfen von Monza, wo er bis zu des Herzogs Todschmachtete. Die Bezeichnung, die Foscarini diesem Kondottiere gibt,ist wohl der Wahrheit entsprechend, denn es ist bekannt, daß er in vene-zianischen Diensten durch seine Feldzüge unermeßliche Schätze erwarb.Freilich 1451, vielleicht infolge der Klage Foscarinis und dem möglicher-weise dadurch hervorgerufenen Einschreiten Barbaros, wurde Colleoni abgesetzt und trat, gekränkt darüber, daß man nicht ihm den Oberbefehlüber die venezianischen Truppen übertrug, sondern dem Gentile daLeonessa, in mailändische Dienste. Aber seit 1454 trifft man ihn danndauernd als venezianischen Kondottiere an. Die Signorie drückte übersein bisweilen unrechtmäßiges Vorgehen ein Auge zu, zumal er sie alsseinen Generalerben einsetzte. Dies ist die andere Seite Venedigs. BeiBarbaro, der stets die heroische Haltung seiner Vaterstadt zeigt, kam sienur selten und dann als Abwehr gegen Geld- und Herrschgier zum Vor-schein. Da es Colleoni nicht gelang, wie seinem Standesgenossen FrancescoSforza , ein eigenes Fürstentum zu erwerben und eine Dynastie zu gründen,benutzte er seinen Reichtum dazu, sich ein unsterbliches Andenken