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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
Seite
305
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BARTOLOMEO COLLEONI

zu sichern. Jeder weiß, daß es ihm gelungen ist: die Kosten seines Stand-bildes in Venedig sind von seinen Geldern bestritten worden. Er starb inseiner Vaterstadt Bergamo und ließ sich neben dem Dom eine prachtvolleGrabkapelle bauen. Testamentarisch verfügte er, daß sein Standbild dortaus schierem Golde gegossen werden sollte. Dies erschien nun doch derSignorie zu üppig, und sie befahl, daß sein Reiterstandbild auf seiner Gruftin Bergamo nur aus Holz geschnitzt und mit goldnem Firnis zu überziehensei, während das erübrigte Geld den Armen zugute kommen sollte.Außer Colleoni schilt Lodovico Foscarini auch alle andern venezia-nischen Kondottieren. Gentile da Leonessa sei nicht besser, nur habe diekurze Frist seines Oberbefehls ihm nicht viel Zeit zum Rauben gelassen.Am schlimmsten hausten aber die Soldaten des Jacopo Piccinino , die vonnichts anderm als von Raub lebten. Man fühlt sich bei dieser Auf-zählung ganz in Schillers Drama: Wallensteins Lager versetzt. Ein be-sonderes Schicksal hatte der zuletzt genannte Jacopo Piccinino , der Sohndes Niccolö. Als später in Oberitalien endlich Friede wurde, versuchteer es, seinen Feind in Neapel, den Nachfolger des Alfonso d'Aragona , dentückischen Ferrante umzustimmen, und begab sich in seine Hand. Picci-nino der Jüngere dachte, dieses Wagnis werde ihm wie einst dem Alfonsobei Herzog Filippo Maria nach seiner Gefangennahme bei Gaeta ge-lingen auch unternahm denselben tollkühnen Streich bei KönigFerrante der berühmte Lorenzo de'Medici , der Prächtige. Währenddieser mit Erfolg den Gegner auf seine Seite zog, war Piccinino schonam Tage nach seiner Ankunft in Neapel tot, angeblich einem Schlag-fluß erlegen. Aber an einen natürlichen Tod glaubte niemand.Im Sommer 1451 hatten am meisten unter der Willkür der Soldaten dieLandleute in der Gegend von Verona zu leiden. Sie wissen nicht mehr, obsie Freie oder Sklaven sind, und bitten durch den Mund ihres Podestä Fos-carini ihren Gönner Barbaro flehentlich, sie von diesen Blutsaugern zu be-freien. Selbst die Feinde, die einst das Glück der Veroneser beneidet hätten,bemitleideten sie jetzt. Barbaro möge bedenken, daß solche Zustände all-mählich auch im Ausland auf Venedig ein schlechtes Licht werfen müßten:Magna apud exteras nationes infamia flagrare incipimus! ruft Foscarinibesorgt aus. Deshalb sei es Barbaros und des Senates Pflicht, dieses zumHimmel schreiende Unwesen so bald wie möglich abzustellen.

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