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Francesco Barbaro : Früh-Humanismus und Staatskunst in Venedig / Percy Gothein
Entstehung
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307
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DIE TREUE DER BRESCIANER ZU BARBARO 307

daß sie der Fortuna nachgeben, und erhalten sich uns ohne Verwüstungund Gemetzel für die Zukunft 71 .» Als eineWoche späterTommasis dringen-der Brief bei ihm eintrifft, schreibt Barbaro am 13. Oktober: «Lakonischund nicht attisch muß ich dir antworten.»Tagsüber habe er so viele Amts-geschäfte in Udine , daß, wenn er nicht nach seiner Gewohnheit die Nachtzu Hilfe nähme, der Brief bote leer zurückgehen würde. «Ich wunderemich nicht, daß unsere Brescianer in dieser Zeit der Belagerung höchstehrenvoll unser gedenken, da ich bei ihnen ein frohes und ewiges Ge-dächtnis meines Namens zurückließ.» Jedoch habe er sich reiflich über-legt, ob er Tommasis Vorschlag, an die Brescianer zu schreiben, befolgensolle; er habe sich, nachdem er mit seiner Familie darüber beraten habe,dagegen entschieden, um nicht in die Befugnisse des derzeitigen Podestäeinzugreifen. «Plus invidiae conflaret mihi hoc pium officium, quamgratiae esset allaturum.» (Diese fromme Pflicht würde mir mehr Neidaufwirbeln, als Dank einbringen 72 .)

Wir haben früher bei der Statthalterschaft in Treviso von der FürsorgeBarbaros für das Schulwesen der einst von ihm verwalteten Städte ge-hört. 1453, als Foscarini Podestä inBrescia ist, klagt der alte SchulmeisterConcoreggio, ein Mitkämpfer bei der Belagerung, den Barbaro hernachals Lehrer angestellt hatte, über die Brescianer. Barbaro sei zwar derSchutzherr der Wissenschaften in diesem Zeitalter, aber die Stadt Brescia sei dauernd der Feind der Tugend und der Wissenschaft. Diese ganz un-dankbare und unbeständige Stadt, schreibt Concoreggio seinem altenGönner nach Venedig, habe drei Jahre nach Barbaros Fortgang seinGehalt, das auf Antrag Barbaros noch hätte erhöht werden sollen, umein Drittel gekürzt. Aber nicht genug damit: die Gehaltkürzungengingen weiter, und jetzt, da er alt sei und eine große Familie zu ernährenhabe, wollten sie ihm das Geschuldete nicht nachzahlen und ihn sogardavonjagen 73 . Barbaro verschloß sich diesem Hilferuf nicht; er schriebsofort an Foscarini und redete seinen alten Freunden, den BrescianerBürgern, durch ihn ins Gewissen, sie sollten sich gegen den um die all-gemeine Freiheit während der Belagerung hochverdienten Mann nichtschnöde betragen: «Weil er meine, oder vielmehr unsere in Waffen sowilden Brescianer auch mit den Künsten des Friedens auszeichnenmöchte, ... deshalb ist es billig, daß er von den Bürgern gut behandelt20*