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ANMERKUNGEN ZU KAPITEL IV, 19-32
19 P. Augustin Rösler: Kard. Johannes Dominicis Erziehungslehre und die übrigenpädagogischen Leistungen Italiens im xv. Jahrh. Freiburg 1894. Sein uns hier an-gehendes pädagogisches Buch ist auf italienisch geschrieben: Regola del governo dicura familiäre.
20 Auch in der Weltgeschichte hat er als Kardinal Johannes von Ragusa und hetze-rischer Ratgeber des alten Willensschwächen Papstes Gregor xn., den er in denschlimmen Zeiten der großen Kirchenspaltung vom Nachgeben und der Versöhnungabhielt, eine unheilvolle Rolle gespielt. Schließlich ist aber Dominici noch bekanntals erster literarischer Widersacher des Humanismus, der eine in scholastischer Para-graphenmethode geschriebene Streitschrift, die Nachtleuchte (lucula noctis), gegenColuccio Salutati verfaßt hat.
21 Leonardo Bruni Aretino, hrsg. von Hans Baron , Teubner 1928, pag.
22 Dereux.pag. 74, 2 5. Die Haltung des Zutrauens zur Menschennatur hat schon in dengroßen kirchenpolitischen Kämpfen des v. Jahrhunderts eine Rolle gespielt. Gegenden rigorosen Vertreter des Lebenspessimismus der Erbsünde, Augustinus , vertrittdiese Meinung Pelagius , der aber von der Kirche, die der andern Richtung zuneigt,exkommuniziert wird und im Morgenlande Schutz suchen muß. Jedoch ging derKampf dieser zwei sich befeindenden Grundmeinungen über das Leben im Semi-pelagianismus des Mittelalters weiter, bis die Reformatoren, die sich wieder stärker aufAugustinus stützen, in der Annahme der Ur-Bosheit als Charakter des Menschen-geschlechtes wieder den Grundpfeiler der christlichen Religion erneuern, was bis zuKant hin zu spüren bleibt, der diese Einstellung vom Pietismus übernommen hat.
23 Selbst die Kinderspiele verfälscht Dominici durch Frömmelei: «Laß sie versuchen,spricht er zu Frau Bartolomaea, wer am höchsten springen kann oder am bestenlaufen. Dabei kann als Bedingung aufgestellt werden, daß, wer verliert, soundso vielVaterunser oder Ave Maria bete oder vor dem Bilde des Herrn irgendeine Ehr-furchtsbezeigung mache oder die Kapelle eine Zeitlang nicht betreten dürfe.» Dominicikonstruiert die weltliche Familie nach der geistlichen Familie der Ordensgemein-schaften; so sollen die Kinder keinen eignen Besitz haben und den selbsterworbenenden Eltern abgeben.
24 Vgl. Baccio Ziliotto: La cultura letteraria di Trieste e dell'Istria. Cap. n, Pier Paolo il vecchio pag. 37 sqq.
25 Petrus Paulus Vergerius: De ingenuis moribus, ed. Gnesotto, Atti accad. Padova , 1918.Gnesotto setzt das Erscheinen des Werkes auf 1402.
26 Max Herrmann : Albrecht von Eyb und die Frühzeit des deutschen Humanismus.Berlin 1893, pag. 325.
27 P. P. Vergerio Epistole in den Mon. stor. publ. dall v. deput. Veneta di storiapatria. Serie IV. Mise. vol. v. Venezia 1887, pag. 67. Konstanz d. 3. April 1416 an denVenezianer Niccolö Leonardo.
28 Ep. Poggi ed. Tonelli 1, pag. 20.
29 Poggius Florentinus: An seni sit uxor ducenda. Ausgaben von Shepherd Liver-pool 1805 und Florenz typis Magherinis 1823.
30 Martene et Durand, ep. xm. Traversari an Barbaro vom 1. Juni 1416.
31 Seit dem Erscheinen von Barbaros Schrift scheint es unter den venezianischen undFlorentiner Freunden gang und gäbe geworden zu sein, wenn von Heiratsdingen dieRede war, den ciceronianischen Ausdruck: de re uxoria zu verwenden, der auch imrömischen Recht eine Rolle spielt als Mitgift und Ehestand. Guarino schreibt an einenFlorentiner Freund Antonio Corbinelli, der sich zu seiner bevorstehenden Hochzeitgeäußert hatte: «In deinem Briefe bemerke ich, was du über de re uxoria bald scherz-haft bald ernsthaft schreibst, aber in beiden bist du angenehm.»
Venedig, 22. Nov. 1418. Guarino an Ant. Corbinelli ep. Guar . A 213.
32 Cod. lat. Monacensis 426, fol. 21 v .