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Da mittlerweile Vilmar und Hassenpflng in Kassel gestürztinnren, zog das Konsistorium mildere Saiten auf, und icherhielt nun einen Kandidatenschein, ausgestellt an demselbenTage wie der erste, aber mit dem Prädikat sehr gut! Warnun auch A. Vilmar, der zwei Söhne beim Wingolf hatteund dem ich als ein Führer der Sezession aus diesem per-sönlich verhaßt war, gefallen, so herrschten seine Kreaturendoch noch im Kirchenregiment; es waren also wenig günstigeAussichten für mich vorhanden. Das verdarb mir aber einst-weilen meine gute Laune nicht, da bei meiner Doktoren-Arbeitüber Heinrich von Langenstein etwas Ordentliches herauskam.Nachdem ich die Göttinger Bibliothek ausgenutzt, dann selteneBücher und Handschriften anderer Bibliotheken zu Hanse durch-gearbeitet hatte, schloß ich im Sommer 1856 mein Manu-skript ab und reichte es bei der philosophischen Fakultät zuMarburg mit der Bitte ein, aus demselben einen Teil zumDruck auszuwählen und als Dissertation zn genehmigen. ImSpätherbst des Jahres erhielt ich ein Schreiben Ed. Zelters,in dem er die Dissertation im Namen der Fakultät akzeptierte,da sie volle Anerkennung bei ihr gefunden habe. MeinToktordiplom datiert aber erst vom 11. März 1857. Mittler-weile hatte ich mich, um endlich meinem Vater von der Taschezn kommen, entschlossen, eine Hauslehrcrstelle in Reinhausen ,in der Nähe von Göttingen , anzunehmen. Kaum hatte ichdieselbe aber zwei Monate bekleidet, als mich die Nachrichtvon einer schweren Erkrankung meines teuren Vaters traf,der er dann auch Ende Dezember erlag. Nun mußte ichwieder nach Hause, um die Familienangelegenheiten zn ordnen.Ich blieb den Winter bei meiner Tante und Schwester inHnndelshansen, unsicher, was aus nur werden würde. Dawurde ich benachrichtigt, es werde eine Repetentenstelle an derStipendiatenanstalt zn Marburg frei, zn der man mich vor-schlagen werde. War der Gehalt, der mit ihr verbundenwar, auch nur ein geringer — 600 M. —, so griff ich dochmit beiden Händen zn. Nach einem Besuche, den ich bei dem