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Räuberbanden wegen militärisch übernmcht, setzte eibcr dieReise von hier durch das Innere der Insel über CastroGiovanni, das alte Enna, nach Catania doch fort. Da über-fiel auf der Sccsa von Vicari eine Bande renitenter sizilischerRekruten in der Nacht des 20. Mai unsere beiden Postwagen,schoß die Pferde tot und raubte uns aus. Die herzu-sprcugeudeu Karabiuicri befreiten uns jedoch bald aus dersehr peniblen Lage. Als ich dem Amtsrichter in Villafrnti(?) das Protokoll über das Vorkommnis diktierte, meinte er,ich müsse wohl ans einem Lande sein, in dem dergleichenöfters vorkomme, da ich alles so ruhig erzählen könne. Ane23. Mai kam ich wohlbehalten, nur nm mein absichtlichschwach bestelltes Portemonnaie, aber auch um die Taschen-uhr, die mir mein Vater zur Konfirmation geschenkt hatte,erleichtert, in Mcssina an. -Obgleich man die Bande kurzdarauf gefaßt hatte, habe ich nichts wieder bekommen. „Allesdas ist jetzt in die Hände der staatlichen Briganti (bri§anticlel AovLriro) gefallen," sagte mir ein Amtsrichter in Messina ,mit dem ich offiziell über die Sache zu verhandeln hatte.
Ich habe diese meine sizilischcn Fahrten hier zusammen-gestellt, um damit den Beweis zu erbringen, daß nachdemich die Geschichte Siziliens , soweit es die damals vorhandenenHilfsmittel gestatteten, studiert und Land und Leute kennengelernt hatte, ich Wohl ein Recht darauf hatte, über dieVerhältnisse Siziliens ein Wort mit zu reden. Das habeich denn auch in politischen Korrespondenzen, in der offiziösenBerliner sogenannten Sternzcitung, namentlich aber in Be-richten und Aufsätzen in den Preußischen Jahrbüchern getan,die von 1860 an in Intervallen erschienen sind. Ich würdenoch mehr geschrieben haben, wenn mich nicht ein Unglückgetroffen Hütte.
Der freundliche Leser dieser Zeilen hat vielleicht bemerkt,daß für das Jahr 1863 keine Fahrt durch Sizilien ange-merkt ist. In ihm wurde ich nämlich schwer augenkrank undmußte nach Deutschland reisen, um mich hier rationell be-