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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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handeln zu lassen. Ich verließ Mcssina am 25. Mai mitUrlaub für den Sommer und kam erst am 3. November zu-rück. In Marburg und Heidelberg , wo ich mich von Knappuntersuchen ließ, wurde übereinstimmend eine Entzündungder Aderhaut, ein Chorioiditis, konstatiert, große Schonungempfohlen und lokale Blutentzichung verordnet. So un-endlich schwer es mir wurde, habe ich mich ein halbes Jahrlang, nichts lesend und strenge Diät beobachtend, bei Verwandtenund Freunden in Deutschland herumgetrieben, namentlich inMarburg bei meinem Bruder Theodor mich aufgehalten.Von hier aus besuchte ich auch am 21. August die großeVersammlung deutscher Abgeordneter in Frankfurt a. M.,die zu den Beschlüssen des gleichzeitig tagenden deutschenFürstentages Stellung nehmen wollten. Glücklicherweiseging die Erkrankung der Augen nach und nach zurück undihre Sehkraft hob sich sogar wieder. Später meinte AlfredGraefe , wenn mich Knapp damals meine gewohnte Brillehätte wieder tragen lassen, so würde vielleicht ein Rezidivvermieden worden sein! Zwölf Jahre habe ich dann ohneBrille gelesen und geschrieben, und es war dessen nichtwenig, bis das Elend 1876 von neuem losbrach, aberauch damals wieder gnädig, wenn auch nicht spurlos, an mirvorüberging. Große, weit aussehende literarische Plänehabe ich aber schon seit meinem 33. Lebensjahre, als dievolle Schaffensfreude über mich gekommen war, und meineArbeiten in weiteren Kreisen sich Beifall errangen, fallenlassen müssen. Nur einzelne Bruchstücke der Studien zurmittelalterlichen Geschichte Siziliens habe ich günstige Mo-mente, sozusagen stehlend, ausführen können, und nichtsmehr unternehmen dürfen, was ich nicht jeden Tag wiederabbrechen konnte. Doch ist es mir vergönnt worden, nochmanches zu schaffen, was anderen und mir Vergnügen ge-macht, sich in der Literatur behauptet und Nutzen gebrachthat. Ich bin dafür immer darkbar gewesen und habe meinemGeschicke nicht gegrollt. In Sizilien lernt man auch sich zu