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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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sekretär des Herzogs von Koburg, Dr. Tempcltey, habe sieverfaßt! Ich kannte diesen Herrn gar nicht. Als dann aberder Krieg ausgebrvchen war, konnte es für mich keinen Augen-blick zweifelhaft sein, anf welche Seite ich mich als deutscherPatriot und Protestant zu stellen hatte. Es ist mir stetsunbegreiflich geblieben, wie ehrliche patriotische Liberale, die nureinen Funken politischen Sinnes hatten, bei Entscheidung dieserFrage hatten zweifelhaft sein können. Es konnte uns nur daraufankommen, den Ausgang des unvermeidlich gewordenen Kriegesnach Kräften so zu verwerten, daß doch etwas für Deutschland Ersprießliches dabei herauskomme. Hierin war ich auch mitFriedrich Oetker einig, den ich damals in Kassel kennen undschätzen lernte. Nur ging mir, demStvckhesscn", der ehrloseZnsammenbrnch des alten Kurhessischen Staatswesens dochvielleicht näher als ihm, der alles nur zu sehr von der formelljuristischen Seite auffaßte. Meine Aufregung über den Ansbrnchdes Krieges steigerte sich noch, als in meiner nächsten Nähe,unter dem Arenstein bei Witzenhansen, das erste Blut in ihmfloß. Eine preußische Hnsareupatrouille uuter einem RittmeisterHnndt von Hassten war in einen Zug schwerer hauuoverscherKavallerie geraten und versprengt worden. Kurze Zeit nachdenn Rencontre war ich znr Stelle und sah die vom Blutedeutscher Krieger getränkte Stelle der Landstraße. Von daan konnte ich nicht mehr zu einem ruhigen Studium sizilischerGeschichte kommen, schrieb Korrespondenzen an verschiedeneZeitungen und entwickelte in einem Briefe an diePreußischenJahrbücher " meine Ansichten über die Zukunft Knrhessens.Meine persönlichen Geschicke sollten nun auch rasch eine andereWendung nehmen.

Nachdem der Regierungspräsident von Möller als Admi-nistrator von Knrhcssen im Namen des Königs von Preußen die Regierungsgewalt an sich genommen hatte, hätte ich diesenleicht um die noch unbesetzte Stelle am Staatsarchiv bittenkönnen. Aber es widerstrebte meinem Gefühle, aus dem Ruindes alten Staatswesens meiner Heimat sofort persönliche