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ein recht freundliches, und unter den Beamten der Stadt fandich bald auch ansprechenden Verkehr. Ich hatte dort einenVerbindungsfreund, der damals Obergerichtsassessor, jetzt Land-gerichtspräsident in Hanan ist, L. Koppen, vorgefunden, mitdem ich bei dem Gastwirt Bornemann, dein Schwager vonFranz von Dingclstedt, wie ich gleich bei der ersten Begeg-nung erfuhr, — zu Mittag aß. Am Abend speisten wir ab-wechselnd auf unseren Stuben. An den StadtkommandantenOberst Weiß, einen tüchtigen Soldaten und sehr liebenswür-digen Gesellschafter, war ich empfohlen. Auch mit ihm wurdeder Verkehr bald ein sehr freundschaftlicher. Er hatte Zeitgenug. Denn die einzige Arbeit, die ihm sein Amt in vielenJahren auferlegt habe, hatte darin bestanden, wie er selbstsehr launig erzählte, den italienischen Verschwörer GiuseppeMazzini, der auf einem Weserdampfboote Rinteln passierensollte, zu verhaften. Weiß war nahe daran gewesen, einenschwarzhaarigen Kandidaten der evangelischen Theologie dafürzu halten und seinem Gendarmen zu übergeben, hatte schließ-lich aber doch davon Abstand genommen, weil Pseudo-Maz-zini einen zu echten hannoverschen Dialekt sprach. Der Gen-darm war auch froh, dem Dolch des Italieners entgangenzn sein. Ihn hatte der Festnngskommandant erst von demLandrate requirieren müssen. Denn es gab keinen einzigenSoldaten in der Festung mehr, die schon von dem KönigeJerome geschleift, nur noch auf dem Papiere fortbestand, umdem Kurfürsten die Möglichkeit zu schaffen, einen ihm beson-ders mißliebigen höheren tüchtigen Offizier als Kommandantenin die Verbannung dorthin zu schicken. Rieß, Koppen, Weißund drei andere Herren hatten ein literarisches Kränzchen,in das ich aufgenommen wurde und in dem ich manche ver-gnügte Stunde verbracht habe. Da die Schularbeit michnicht allzusehr drückte, — konnte ich doch die wöchentlichenKorrekturen Sonnabends von 11'bis l'Z Uhr erledigen —,so nahm ich die Schriftstellcrei bald wieder auf, verfaßte,von den politischen Veränderungen weiter lebhaft ergriffen.