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Sie hat ivirklich viel Gutes gestiftet im Gegensatz zu ihrenKonkurrenten, dem Tambour Braun und Hans Fetten, diebedenklichere Metiers trieben und Possenreißer waren.
Einer anderen für das Marburg jener Tage charakte-ristischen Figur mag auch gleich hier gedacht werden, der desAusrufers Nill. Marburg hatte damals natürlich noch keinetäglich erscheinende Zeitung; es gab nnr ein offizielles Wochen-blatt, wenn ich nicht irre fiir den ganzen Regierungsbezirk.Was nun aber von Privaten bekannt zu machen war, wurdeebenso wie lokale Polizeiverordnnngen durch den Ausruferveröffentlicht, der ein Virtuose in seiner Art war. Mit lauterdeutlicher Stimme verkündete der Nill, nachdem er sich durchseine Schelle Ruhe verschafft hatte, welche Bäcker am Sonntagdas „Frischbacken" in den einzelnen Quartieren hatten oder,daß der „Schwindel" im Museum des schlechten Wetters wegenausfalle usw. Der Ruf des alten Nill war so weit bekannt,daß man sagte, er habe mehr Berufungen nach außen abgelehnt,als manche Professoren.
Man sieht, es herrschten damals noch fast ländlicheVerhältnisse in Marburg . Von Handel und Industrie warfast gar keine Rede. Nnr die „Marbnrger DiPPerchen" wurdennoch nach der alten Väterweise gedreht und am Steinwegauf langen Gestellen vor dem Brande getrocknet. Die Bürgerder Stadt lebten fast nur von der Universität und den kärglichbezahlten Beamten. Und einen Studenten sich in das Häuschenzu verschaffen, war damals dem Marbnrger Philister allerdingsnicht ganz leicht. Denn es gab deren nicht allzu viele. In denJahren l850 bis 4866 schwankte die Anzahl der Mnsensöhnenach dem offziellen Stndcntenverzcichnis zwischen 315 und 227.Faktisch waren aber nur ganz ausnahmsweise über 220 Stu-diosen in Marburg wohnhaft. Einzelne längst Abgezogene wur-den vielfach ruhig in den Listen fortgeführt und selbstverständ-lich mitgezählt; ebenso die, welche im Ansang des Semesters ihrExamen gemacht hatten usw. Man „kratzte^ eben zusammenwas man konnte, um die Frequenz der Universität in einem