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geber der „Hornisse", bei einem Fackelständchen als den größten„Renommisten" des Jahrhunderts gefeiert. Der einzig be-deutendere Jurist war der Prozessualist Wetzell aus Hofgcismar,der später als mecklenburgischer Minister v. Wetzell geendethat. Moralisch durchaus nicht einwandfrei, gebärdete er sichals streng kirchlich, paßte also vortrefflich in das Land derObotriten. Um dieser juristischen Fakultät einiges neue Lebeneinzuflößen, berief man den Germanisten Paul Roth von Mün-chen , der sich durch sein Buch über Bcnefizialwesen einen Namengemacht hatte. Roth, einer orthodoxen Familie angehörig,hatte sich schon dadurch Hassenpflug empfohlen. Er machteaber keinen Gebrauch von seinem ererbten Konservativismus,sondern war ein heiterer, lustiger Geschichtenerzähler, der aber-kennen wissenschaftlichen Einfluß auf die Studenten gewann,da er ein schlechter Dozent war, der seinen prononciertcn bay-rischen Dialekt nicht ablegen konnte. Er arbeitete hier aneinem hessischen Partiknlarrecht, ging dann aber bald überRostock und Kiel nach München zurück.
Eine viel bessere Akgnisition gelang der Regierung fürdie medizinische Fakultät in der Person des Schwaben Wil-helm Roser zu machen. Einen ganz brauchbaren Chirurgenhatte das Märzministerinm sich durch Pensionierung vomHalse zu schaffen gewußt. Einen Extraordinarius Robertwollte man nicht befördern. Da verwendete sich spontan derberühmte Chirurg Baum in Göttingcn für den ausgezeichnetenOperateur und Schriftsteller Roser in Kassel . Er wurde 1850wirklich nach Marburg berufen und ist eine Zierde dieserHochschule wohl ein halbes Jahrhundert geblieben. Mit demschwer gelehrten Kliniker Friedrich Heusinger und dem Ana-tomen Fick war er die Säule der medizinischen Fakultät langeJahre hindurch und hat viele tüchtige Chirurgen ausgebildet.
Überblickt man die Anzahl der tüchtigen, ja ausgezeich-neten, meistens noch jugendlichen Dozenten, die Marburg um dieMitte des vorigen Jahrhunderts zählte — ich wiederholedie Namen der Bergk, Bnnsen, Gildemeister, Henke, Hilde-