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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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Spenersche Zeitung" beigesteuert, die ich wie manches andere,was ich damals geschrieben habe, gar nicht mehr besitze, alsoauch hier nicht einzeln aufführen kann.

War bei der Abfassung meiner politischen Korrespon-denzen das Verlangen, meinem Vatcrlande an meinem be-scheidenen Teile nach Kräften zu dienen, die treibende Kraft,so wurde ich bei der Inangriffnahme von Feuilletonaufsätzendurch die Rücksichten auf Gelderwerb beeinflußt. Eine Kleinig-keit, 3000 Mk., hatte ich mir während meines fünfjährigenAufenthalts in Messina doch ersparen können. Aber die Zin-sen davon kamen kaum in Betracht. Da auch meine Fraunur ein geringes Vermögen besaß, reichten mit dem Gehaltvon 1800 Mk. jährlich meine Einnahmen nicht aus, um beiden bescheidensten Ansprüchen eine Familie standesgemäß er-nähren zu können.

Freilich war das Leben damals in Marburg noch billigund man hatte geringere Bedürfnisse als ein Menschenalterspäter. So kostete unsere erste Wohnung, die Raum genughatte, aber sehr unbequem disponiert und oft mit Ranch ge-stillt war, nur 276 Mk. Jahresmiete. Dennoch war mit2500 Mk. Einnahmen nicht gut auszukommen, wenn man nureinige Geselligkeit mitmachen und sich nicht alles Reisen ver-sagen wollte. Da hieß es denn sich etwas hinzuverdienen.Und das habe ich durch meine Schriftstellerei in der anstän-digsten Weise getan.

Als im Jahr 1868 einmal von dem Kurator die Uni-versitätskasse gestürzt und der nicht unbedeutende Überschußan die Universitütsangehörigcn verteilt wurde, bekam ich auch300 Mk. Dafür mir ein kleines Papier zu kaufen, hat mirwirklich Freude gemacht. Bei 1800 Mk. Gehalt noch zurück-zulegen, war aber auch nur möglich, weil meine Frau rechtarbeitsam und haushälterisch, aber nie geizig war.

So haben wir nie Mangel zu leiden gehabt, selbst alsuns Kinder geschenkt waren. Es kamen auf diese Weise dochimmer mehrere Hundert Mark jährlich ins Haus, bis ich 2400