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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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und später 9000 Mark Gehalt hatte, über die ich hier nichthinausgekommen bin. Zu meinen Studienreisen nach Italien habe ich allerdings bis 1876 zweimal vom Königlichen Un-terrichtsministerium Unterstützungen erhalten.

Unter diesen Arbeiten ging mir der Sommer 1867rasch vorüber, ich wohnte während desselben bei der Witweeines Banrats Hunrath in der Untergasse, einer recht bravenund tüchtigen Fran, der es aber mit ihren Kindern sehrknapp ging. Verwöhnt wurde ich daher in keiner Weise.Des Morgens setzte mir die Aufwartefrau, die sie bediente,nur den Kasse um 6 Uhr früh auf den Tisch. Stand ichspäter auf, so hatte ich ihn kalt zu trinken. Ich scherztewohl einmal mit ihr und ' meinte, sie wolle mir Wohl dieSehnsucht nach dem eigenen Hausstände noch mehren.

Um diesen zu begründen, hatte ich natürlich auch nochmancherlei Arbeit und Lauferei. Da mußte ein Logisausgesucht, da mußten Möbel für mein Zimmer be-stellt werden und dergleichen mehr. Da Reinhold Pauli ,mit dem ich im Sommer im Ritter zusammen zu Mittag, sich in einer halbwegs ähnlichen Situation befand wie ich,da seine Familie erst im Herbst hier eintraf, so besorgtenwir unsere Geschäfte zuweilen gemeinschaftlich, was dann abund zu zu ergötzlichen Szenen führte. So hatten nur einmalgemeinsam eine Magd für ihn gemietet, ein Unternehmen,das sehr wenig glücklich ausfiel, aber viel Stoff zur Heiter-keit gab.

Bei meinen Hanshaltungssorgcn stand mir aber treuerund unermüdlicher Rat bestens zur Seite. Schon währendmeines Aufenthalts in Marburg in den Jahren 185760hatte ich mir in dem pensioniert hier lebenden OberstleutnantGeorg v. Cochenhansen einen Freund erworben, der es wirk-lich Wert ist, daß ich ihn hier dankbar nicht nur erwähne,sondern auch den Lesern nahe bringe.

Einer Stralsnnder Patrizierfamilie entstammend, die inden schwedischen Adelsstand erhoben und dann mit dem Groß-