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haben, als Vilmar gegeit Sophia Wenderoth.ft Diese wurdenatürlich nicht seine Braut und Frau, sondern starb als Brauteines anderen 1822, nachdem auch er sich, noch nicht zwci-undzwanzig Jahre alt, mit einer anderen verlobt und sichdamit „in die erste Trunkenheit der vollen wahrhaften Liebeeingetaucht" hatte.
Nicht ganz so poetisch wie seine vila iruova nach demAnblick Sophie Wenderoths beschreibt Vilmar seinen vier-jährigen Brautstand mit Karoline Wittekind; obgleich immernoch in hohen Tönen. Er hat die Tage notiert, an denener sie znm ersten Male gesehen und wann er sie zuerst ge-küßt hat. Er berichtet jedoch auch von „Unbequemlichkeiten,Verdrießlichkeiten und Anstößen, mit denen diese Jahre desBrautstandes angefüllt waren, die von solchen Verlöbnissenunzertrennlich sind". Sie haben aber nach ihm niemals seineLiebe, die „keusch und rein, als sei sie nicht aus sündigemFleisch und Blut, sondern aus dem Tau des Äthers unddem Licht der Sonne gewoben, der Engel seiner Jugendjahrewar", gemindert oder gar aufgehoben.
Ganz anders als diese ganz besonders für seine TochterHedwig bestimmte Schilderung der anmutigen und holdseligenMutter lauten die Nachrichten, die mir von glaubhaftesterSeite über sie und ihr Verhältnis zu ihrem Manne über-kommen sind. Mein Vater, der mit Vilmar gleichzeitig inMarburg studierte und auch Mitglied der Burschenschaft ge-wesen war, später auch noch mit ihm in Rotenbnrg und Hers-feld verkehrt hatte, hat mir erzählt, Vilmar sei ein Mannmit starken sinnlichen Neigungen gewesen. Als Student habeer auf seinen Pfcifcnköpfen und Dosen die Bilder üppigerFrauen gehabt und damit Anstoß erregt. Über diese Zeitgleitet Vilmar in seiner Selbstbiographie bei Strieder-Ger-land^) auch kurz genug hinweg, obwohl er allerlei davon mit-
1) Hessische Blätter vom 21. November 1000.
2) Grundlage zu einer Hessischen Gelehrtem und Schriftsteller-Geschichte, Band 20, S. 182.