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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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zuteilen gehabt hätte. Über sein Verhältnis zu seiner erstenFrau erzählte mir derselbe Gewährsmann ferner, sein Vaterhabe ihm lange Zeit nicht die Einwilligung zur Verlobungmit Karoline Wittekind geben wollen, da sie ihm nicht zu-sage. Als aber sein Sohn nach mehrjähriger Verlobung seinVerhältnis habe lösen wollen, da habe ihm der ehrenhafteMann zugerufen:August, Du hast mir die Einwilligung zuDeiner Verlobung abgezwungen; das sage ich Dir, ich werdeniemals Dir meine väterliche Einwilligung zu einem Ver-löbnis mit einer anderen geben."") . . .

Ich -habe diese Dinge hier ausführlich erzählt, immer-hin aber nicht so ausführlich als ich gekonnt hätte, weil siein weiten Kreisen Hessens fest geglaubt wurden und das öf-fentliche Urteil über die Tätigkeit des zelotischen Kirchen-mannes beeinflußten. Sind sie richtig, und es bestehtfür mich kein Zweifel an ihnen so gestatten sie auch einentiefen Einblick in sein inneres Wesen. Die ganze Zwiespältig-keit seiner Natur tritt auch in ihnen zutage.

Vilmar war ein nach verschiedenen Seiten hin hoch-begabter Mensch. Er besaß einen auf die Realität der Dingegerichteten scharfen Verstand, ein vorzügliches von Jugend aufgeübtes Gedächtnis und eine große Arbeitskraft. Danebenwar ihm ein tief poetischer Sinn verliehen. Sein warmesNatnrempfinden bricht bei allen Gelegenheiten in lebendigenund farbenreichen Schilderungen hervor. Er freute sich derSchönheit der hellen Buchenwälder seiner hessischen Heimat,der einsamen Linde, des roten Klees, der Bergwiese mit ihrerkristallencn Quelle. Und auf ein solches in Naturstimmnngcnaufgehendes Gemüt hätten nicht auch die Reize der weib-lichen Schönheit wie auf alle seine romantischen Gesinnungs-brüder einen gewaltigen Eindruck machen sollen? Von scincr

1) Hier folgen im Manuskript etwa zwei Druckseiten, die sichzumeist auf die beiden Frauen Vilmars beziehen und schwerlich vonallgemeinerem Interesse sind. L. b.