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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
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Mischung der Staatsgewalt unabhängig zu konstituieren. An-fänglich mag er wohl von der unitarisch-nationalen Rich-tung der Märzbewegnng 1848 an seine bnrschenschaftlichenIdeale erinnert der Revolution nicht schroff entgegenge-treten sein. Er hatte in Marburg erklärt, er werdetreu,offen und ehrlich mit der Bewegung gehen". In seinemVolksfreund" hatte er sich in ähnlicher Weise ausgesprochen.Aber dem Marbnrger Radikalisinus hatte er sich in denJahren, wo er Gymnasialdirektor in der Universitätsstadt ge-wesen war, durch seine gesamte Haltung, durch seine Schul-reden usw. so verhaßt gemacht, daß man ihn: nicht nur nichttraute, sondern ihm als dein geschworenen und schlimmstenFeinde der neuen Freiheit entgegentrat.

Man brachte ihm Katzenmusiken ohne Ende und nurmit Mühe konnte die Erstürmung seiner Wohnung im Gym-nasium durch einige Bürger verhindert werden. Seitdemwar er wieder ganz in seine alte absolutistische Stimmungverfallen und galt als Haupt der Reaktion in Hessen ; vor-zugsweise aber als Führer der kirchlichen Reaktion.

Er war aber doch von Haus aus mehr Kirchcninannals Politiker. Auf einer Versammlung zu Jcsberg scharteer im Februar 1849, nachdem die deutschen Grundrechteden Staat für religionslos erklärt hatten, seine Getreuen umsich und überraschte sie mit einen: Antrage, die Trennungvon Kirche und Staat hier sofort in einer Erklärung aus-zusprechen. Das geschah auch. Als er dann mit meh-reren Bekannten und Freunden zurückfuhr und ein alterStudienfreund, der Metropolitan Führer in Frankenberg ,ihm doch Bedenken gegen diese überhasteten Beschlüsseäußerte und meinte, er habe nicht recht getan, die Ver-sammlung zu einer so tief eingreifenden Resolution, diegründlich zu überlegen, Pflicht gewesen sei, zu verleiten undfortzureißen, da cntgegnete er mit dem ihm eigenen Zynis-mus, es sei ja doch ganz gleichgültig, wie man sie, diePastoren, einsänge!