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sich ausweite» ließ, wie die Beschränkung seiner politischenWirksamkeit auf den kleinen Knrstnnt ihn zu keiner wirklichenstaatsmännischcn Einsicht kommen ließ, ermöglichten diese be-grenzten Verhältnisse allein die Entstehung seiner ganz rück-ständigen und fanatischen, staats- und kirchenrechtlichen An-schauungen und Bestrebungen. Seine Ideale lagen schließlichso rückwärts von allem modernen Leben, daß er sich nurnoch feindlich mit ihm berühren konnte und sein Fanatismusnur immer düsterer und verbissener wurde, je weniger er sichHoffnung auf Erreichung seiner Ziele machen konnte. Er hatdann noch das Jahr 1866 erleben müssen und man darfsagen, die Ereignisse dieses Jahres haben ihm das trotzigeHerz gebrochen.
Wie in unserer Zeit die führenden aller Hicrarchcn inder katholischen und protestantischen Kirche leicht eine Gefolg-schaft finden, die sie womöglich noch in ihren kulturfeind-lichen Bestrebungen übertrumpft und die gar nichts mehrmit der Bildung des 18. und der ersten Hälfte des 10. Jahr-hunderts, von der sie immerhin noch beeinflußt waren, gemeinhat, so hatte auch Vilmar in Marburg unter den Stu-diosen der Theologie einen festen Anhang: die Söhne seinerFreunde unter den Geistlichen und zahlreichen Verwandten,die Mitglieder des „Wingolf", schworen zu seiner Fahne. Dadas kurhcssische Kirchenregimcnt nach wie vor in den Händenseiner Parteigenossen lag, schlössen sich gar manche Streberihm an; von denen ganz abgesehen, denen es, da sie docheinmal Pfarrer werden wollten oder mußten, das bequemstewar, sich der modernen Theologie fern zu halten und auf siemit geistlichem Hochmut und sicherer von ihrem „großen"Lehrer ihnen eingeimpften kirchlichen Überlegenheit herab zublicken. So war der Einfluß Vilmars bei seinen Lebzeitenauf einen guten Teil Studiosen der Theologie ein bedeuten-der und nach seinem Tode versuchten ihn seine wenigenganz Getreuen durch Herausgabe seiner Vorlesungen festzu-halten. Auf die weitere Entwickelung der Theologie, selbst