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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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seines Lebens in Deutschland verbracht. Die wichtigste Lebens-epoche, in der die Jngend sich zur vollen Manneskraftentwickelt und der Mensch die Prägung seines Daseins erhält,hat er in abermals zwei Dezennien in Frankreich zugebracht.Nicht ganz mehr anderthalb Jahrzehnte hat er dann nvch inder heiteren, freundlichen und kunstgcsättigten Stadt am Arnvverleben dürfen, die Ivie kaum eine andere gleichzeitig unsanregt und zum Ausruhen einladet. Als Hillebraud demMoute Olivcto gegenüber sich häuslich einrichtete (1870), warer aber schon ganz, was er werden sollte, wenn er selbstauch meinte, er sei erst seit 1874 eigentlich ein Schriftstellersrn Aeneris" geworden. Sein Leben und Empfinden warschon damals über den Gegensatz, in dem sein durch unddurch deutsches Naturell zur französischen Ausbildung desselbensich befinden mußte, hinweg und zu einer harmonischen, insich geschlossenen einheitlichen Persönlichkeit entwickelt. Wiedas aber geschehen war, darin spiegelt sich die Gesamtent-wicklung der Beziehungen wieder, in die deutsches und fran-zösisches Geistesleben überhaupt in unseren Tagen getretenist. Und das in mehr als einer Hinsicht.

Es waren vor Karl Hillebraud schon eine große AnzahlDeutscher nach Frankreich übergetreten, um ein möglichst neu-trales Wort zu gebrauchen. Die einen hatten die Zufällig-keiten des Lebens dort hingeführt und die höhere Kultur desDaseins sie festgehalten. Die anderen waren als halbe oderganze Flüchtlinge, als Ansgestoßenc des Batcrlands, dorthingekommen. Ganz verschieden aber hat sich das Verhältnisderselben vom Baron Grimm an, um nur einen bekanntenNamen von ihnen zu nennen, bis auf die Vertreter desjungen Deutschlands und ihre Zeitgenossen zu Frankreich undzu Deutschland gestaltet. Manche von ihnen wurden ganzzu Franzosen, ohne dabei ihr Vaterland verachten zu lernen,andere bliebe» ihrem geistigen Empfinden nach Deutsche , glaub-ten sich aber in ihrem Schelten auf die Heimat nicht genugtun zu können. Ganz anders Karl Hillebraud. Wie kaum