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ein anderer hatte er sich in Frankreich eingelebt. Nicht nnrfranzösischer Vollbürger und Staatsdiener war er geworden,sondern unter die Zahl der angesehenen französischen Schrift-steller, die ihre Stimme im „Journal des Debats " und inder „Reime des deux Mondes" erheben durften, war er alsvollberechtigt mitanfgcnommeu. Und doch fühlte er sich sei-ner ganzen inneren Natur nach als ein Deutscher, wenn ihmauch sein Vaterland bei seiner Flucht statt der Abschieds-grttße Kugeln nachgesendet hatte. Und das nicht etwa erstseitdem die Entscheidung der Waffen die Superiorität Deutsch-lands über Frankreich auf dein politischen Gebiete entschie-den hatte. Auch nicht erst seit Sadowa, wenn auch ihm, gleichvielen anderen, die Auseinandersetzung Preußens und Öster-reichs im Jahre 1866 erst die Gewißheit gebracht hatte, daßes jetzt mit der Einheit Deutschlands Ernst werde. Die Über-legenheit Deutschlands über Frankreich auf dem Gebiete derWissenschaften stand ihm schon früher fest. Schon 1865 ließer in Paris drucken: „je crois cgu'uire Arancle Partie clesOeuvres cke l'eruckition alleirmncle est clestiiree a passer leUlriir." Aber gerade diese Überzeugung bestimmte ihn, so-viel als in seinen Kräften stand, dein drohenden Bruche zwi-schen Frankreich und Deutschland entgegenzuarbeiten, die Fran-zosen über Deutschland aufzuklären und sie zu einem nnrfriedlichen Wettkainpfe mit demselben zu bestimmen. Es wardas zwar ein vergebliches Unternehmen, wie es denn Hille-brand auch ansspricht, daß großen nationalen Konflikten nichtdurch Belehrungen und einen Appell an die Vernunft vorge-beugt wird.
Aber wie diese Gesinnung dein deutschen Flüchtling, derin Frankreich eine angesehene Stellung sich errungen hatte,persönlich doch alle Ehre macht, so dokumentiert sich in die-ser Stellungnahme Hillcbrands der ganze Wechsel der inne-ren und äußeren Beziehungen Deutschlands und Frankreichs .Wahrend früher fast alle die nach Frankreich gekommenenDeutschen die französische Kultur als eine höhere, der deut-