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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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aufgehört," so hat er schon am 20. Oktober (Nr. 297 B.)berichten können:Gestern entrann ein badischer Unteroffizier,Bcnder, der nächstens vor das Standgericht kommen sollte,bei der Arbeit seinen Wachen; vor einigen Tagen sind zweiandere Gefangene entkommen, unter ihnen der Sohn desProfessors Hillebrand in Gießen." Wahrscheinlich hängt esmit diesem gelungenen Fluchtversuche zusammen, daß für dieSpitäler und Krankenhäuser eine neue drakonische Aufsichts-ordnung erlassen wurde, von der jener Berichterstatter gleich-falls Nachricht gibt (a. a. O. Nr. 300).

Hillebrand begab sich wieder nach Straßburg , wo er mitseiner Retterin zusammentraf, und von dort mit ihr nachParis , das die Schwester schon von einem früheren Aufenthalther kannte. Da er von zu Hanse nicht auf pekuniäre Unter-stützung rechnen konnte, mußte er daran denken, sich aufeigene Füße zu stellen. Da traf es sich glücklich, daß .Hein-rich Heine , an den ihm sein Vater einen Empfehlungsbriefgesendet hatte, eines Sekretärs bedurfte. Heine bot seinemjungen Schützling die Stelle an und dieser schlug ein. Aberlängere Zeit litt es ihn nicht bei Heine . Alles Denken desjungen Studenten war damals noch auf die politischen Dingegerichtet, literarische Tendenzen lagen ihm noch ganz fern.Daraus erklärt es sich, daß er von seinem Zusammenlebenmit Heine wenig Förderndes erfahren, gar nichts aufgezeichnethat. Doch wußte er natürlich mehr, als er in seinem be-kannten Briefe an Hüffcr, den dieser in seinem Bucheüber Heine mitteilt, gesagt hat. In einer guten Stunde,welche ich in Gemeinschaft mit Th. Heyse und ihm bei einemkleinen Symposion in Florenz verbrachte, taute er einmal aufund erzählte Gutes und Häßliches von Heine , von seinemDichten, das er doch genau beobachtet, da ihm ein guterTeil desRomanzero " in die Feder diktiert wurde, und vonseinem Privatleben Dinge, die er nicht weiter verbreitethaben wollte. Er schloß mit der Bemerkung:Ich binHeine zu großem Danke verpflichtet; denn er ist es gewesen,