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Philologe war — er hat n. a. Scaligers griechische Briefeherausgegeben — und in jenen Jahren in Bordeanx nochnicht die geringste Animosität zwischen Angehörigen der deut-schen und der französischen Nation bestand. Um so tieferhat es Hillebrand, und ich darf Wohl auch sagen die FamilieDczeimcris, geschmerzt, das; auch hier die Ereignisse bon 1870einen Riß herbeigeführt haben, den jedoch nur der unerwarteteTod Hillebrands nicht wieder hat ausfüllen lassen. Mitanderen Freunden aus jenen Tagen, zu denen ich den be-kannten Journalisten und späteren Diplomaten Andre Laver-tnjvn, mit dem Hillebrand durch seine Mitarbeiterschaft andem Journal „La Girondc" in Verbindung gekommen war,nicht rechne, wohl aber den bekannten Historiker Geffrop,der als Direktor der Akademie de France zu Rom sich aucheinen Namen gemacht hat, zählen möchte, ist unser Freundauch nach den Ereignissen von 1870 in guten persönlichenBeziehungen geblieben. Mit Geffroh, der damals Professoran der Universität von Bordeaux war, wie mit den Univer-sitütskreisen überhaupt, war Hillebrand zunächst wohl durchdas Examen cko liocnrce es-Iettreo bekannt geworden, das eran ihr 1858 ehrenvoll bestand. Die höchste Staffel akade-mischer Würden, das Doktorat, konnte Hillebrand aber nichtin Bordeanx erklimmen. Denn nur die Doktoren von Paris gelten in Frankreich etwas. Die Vorarbeiten zu dem Doktor-Examen, beziehungsweise zu den beiden hierzu erforderlichenDissertationen, von denen die eine in lateinischer, die anderein französischer Sprache abgefaßt werden mußte, nahmenHillebrand in den Jahren 1858 bis 1801 in Anspruch. Auchdieses Examen wurde im Juli 1801' an der Sorbonne glück-lich bestanden, nachdem die lateinische Dissertation, in welcherDante, Milton und Klopstock in Parallele gestellt wurden,unter dem Titel „Oe sncro npuck clrriMmnos cnrrnnro epicoUissertntio seu Onirtis, iVliltorns, Klopstockü pooMrurri cok-Intio" schon 1800 in Paris erschienen war. Schon die Wahldieses Gegenstandes zeigt, daß unser Freund in seinen Stu-
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