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dien sich mitnichten nnf die Literatur seines Adoptivvater-landes beschränkt hatte. Noch weit deutlicher tritt das in derArbeit hervor, welche er als seine französische Doktor-Disser-tation der Sorbonne vorlegte und verteidigte und deren Vor-rede daher im August 1861 von Paris aus datirt ist. Dasmehr als 400 Seiten starke Buch: „Diiro LolirpaZiri. stuckeIriMoriciuL at litteraire mir I'epoigue cle Dante pur X. 14.,"welches 1862 in Paris bei A. Dnrand erschien, ist die Fruchtsehr eingehender Studien, die ihren Autor nach Florenz ge-führt hatten, um hier urkundliches Material zu sammeln.Wenn Hillebrand von ihm sagt, das; „le ironr inscrit eirtete cke ce travail ir'eot §uere «grünn pretexte," und aus-führt, daß dasselbe uur dcu ersten Teil einer Geschichte derStadt Florenz im 14. Jahrhundert seit der Einführung derOrdnungen der Gerechtigkeit (1282) bilde, der ein zweiternachfolgen müsse, welcher in ähnlicher Weise die Villani,Donato Vcllnti und Gino Capponi , d. h. die bedeutendstenFlorentiner Historiographen des 14. Jahrhunderts zu behan-deln haben werde, so ist er uns die Ausführung dieses Planesschuldig geblieben. Und das wohl aus gutem Grunde. Soveranlagt Hillebrand für literarischc Kritik war, so wenig warer geschult in der strengsten historischen Methode der Qnellen-nntersuchung oder gar in den Künsten textkritischer Ausgaben.Er hat bei der ihm eigenen vollkommenen Wahrhaftigkeit undklaren Selbsterkenntnis; dieses auch stets von sich eingestanden.Und ich habe um so weniger nötig, dem Freunde Vorzügenachzurühmen, die dieser selbst nicht besitzen wollte, alssie in meinen Augen auch keineswegs in dem Maße be-deutend sind, als sie vielleicht von dem geschätzt wurde»,der sie an sich vermißte. Denn es gibt Größeres aneinem Historiker zu rühmen als das Geschick zu minutiösenQuellennntersuchungcn, und unzweifelhaft hat es sehr be-deutende Gcschichtsschreibcr gegeben, die von den sogenann-ten methodischen Quellcnnntcrsnchnngen gar nichts verstan-den haben.