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Wenn Hillebrand in seiner Übersicht über die ältesten,in italienischer Sprache geschriebenen Chroniken, mit der erseine Arbeit über die Chronik Dino Compagnie eröffnet,mehrere von diesen unbedenklich als echt angenommen hat,die sich einer tiefer eindringenden Kritik gegenüber als Mach-werke einer spateren Zeit herausgestellt haben, so fallen dieetwa hierüber zn erhebenden Klagen in gleicher Stärke anfdas Hnnpt von Gervinns, der in seiner Geschichte der „Flvren-tinischen Historiographie" sich des gleichen Versehens schuldiggemacht hat. Und was die Hauptsache betrifft, ob die so-genannte Chronik des Dino Compagni ein echtes Werk desFlorentiner Priors Dino Compagni sei, eine Frage, welchebekanntlich eine Zeit lang sehr zuungunsten dieses Autorsentschieden zn sein schien, so hat Hillebrnnd nicht nur in Ver-werfung der unbegründeten Angriffe, die von der sprachlichenSeite her erhoben wurden und die er zuerst in seinem Werkeder gelehrten Welt aus einem bisher unbeachtet gebliebenenWinkelblättchen mitgeteilt hatte, vollkommen Recht behalten,sondern auch wohl in der Hauptsache selbst. Denn wennauch die Chronik in der uns jetzt vorliegenden Fassung nichtanf den Prior Dino Compagni zurückgehen kann, so ist dochder Kern oder, wenn man lieber will, die Grundlage der-selben als echt und, einige Übertreibungen in Betreff ihresschriftstellerischen Wertes abgerechnet, als ein hervorragendesund durchaus charakteristisches Produkt des florentinischenGeistes anzusehen. Aber so weitherzig war Hillebrand undso sehr jedem sachlichen Widersprüche zugänglich, daß er demVerfasser dieser Zeilen, der auf einen mit virtuoser Meister-schaft anf die Chronik geführten Angriff hin von der Un-echthcit derselben überzeugt war, ohne Widerstreben gestattete,dieses auch in dem von ihn: selbst herausgegebenen Jahrbuch„Italic" an erster Stelle ansznsprcchen. Hillebrand behieltsich seine Privatmeinnng über die Frage vor, ließ mich aberdoch, da er die von nur entwickelten Gründe augenblicklichzu widerlegen nicht imstande war, rnhig gewähren und