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mals zu den Philologen von Profession zählte, wohl nichtgespendet werden.
Aber wie kam Hillebrand, der wenige Jahre vorher sichganz in das Studium der Geschichte von Florenz und seinerHistoriker versenkt zu haben schien, zu dieser hiervon so weitabliegenden Arbeit? Gewiß würde ein solcher Wechsel in Er-greifung und Bewältigung so ganz heterogener Stoffe nichtstattgehabt haben, wenn nicht eine vollkommene Veränderungseiner Lebensstellung eingetreten wäre, die ihn gezwungenhätte, sich mit Litcraturgeschichte im weitesten Sinne zu be-schäftigen.
II.
Nachdem Hillebrand, wie schon bemerkt, im August 1861die Doktorwürde an der Sorbonne errungen hatte, kehrte ernach Bordeaux zurück. Zwar war ihn: seit 1858 in Folgeder allgemeinen Amnestie in Baden die Rückkehr in die Heimatnicht mehr verschlossen; er zog es aber doch vor, in seinemAdoptivvaterlandc zu verbleiben, um in Deutschland nichtnochmals von vorn anfangen zu müssen. Durfte er doch inFrankreich jetzt sicher auf eine Staatsanstellung rechnen. Dennnachdem ihm schon 1857 das Wohnrecht in Frankreich ver-liehen war, wurde ihm 1860 durch Erteilung des Bürger-rechts der Genuß aller politischen Rechte gewährleistet. Erhielt zunächst in Bordeaux noch 1862 einige Vortrüge überGoethe, welche aber bei der mehr banausischen und wenigernsten Gesinnung der Majoriät der Bordelaisen nur einenAchtungserfolg errangen. Da wurde ihm von feiten derRegierung der Antrag gemacht, Lehrer der deutschen Sprachean der berühmten Militärschule von Saint Chr zu werden.Es war eine bescheidene Stelle, namentlich für einen Oocteurso lettreZ, die man ihm damit anbot. Er war auch geneigt,sie auszuschlagen. Auf den dringenden Rat seiner FreundeE. Delprat und Desbats griff er aber doch zu. Er hatte esnicht zu bereuen; denn nachdem er einmal in den Staats-