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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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länm zu fungieren Hütte, und von da au die Herbstvakauzeuregelmäßig zu verbringen pflegte, mußten ihm den Aufenthaltin Donah erst recht verleiden.

Dazu kam noch ein Anderes. Hillcbrand hatte sich inFrankreich bisher aller Politik fern gehalten. In Bordeaux hatte er zwar Beziehungen zu dem liberalen JournalLaGironde" gehabt und sein Verkehr hatte ihn mit freisinnigenGegnern des Kaisertums im Verbindung gebracht. Seineliterarischen Bestrebungen, welche höher hinausgingen als aufraschen Brodcrwcrb im Dienste mittelmäßiger und literarischzweifelhafter Tagesblätter, mußten ihn in Paris wieder inBeziehung zu oppositionellen Kreisen bringen. Denn es warNapoleon III. nicht gelungen, die beiden großen Blätter,welche in Sachen des guten Geschmacks in Frankreich nochimmer die Führung behaupteten, und in der Tat die bestenTraditionen der höheren französischen Publizistik aufrecht erhiel-ten, dasJournal des Debats " unter der Redaktion von Ed.Berlin und dieRevue des denx Mondes" von Bnloz ge-leitet, für sich und seine Politik zu gewinnen. Jeder an-gehende französische Iromme cle lettres, der sich seinen Ein-tritt in die Elite der französischen Schriftsteller erwerbenwollte, mußte aber in einem dieser beiden Blätter Boden zugewinnen suchen. Das gelang Hillebrand zwar vollkommen;aber nicht ohne große Anstrengung. Er sagt selbst, ehe erdie Schule von Berlin und Bnloz durchgemacht, habe seinfranzösischer Stil nochla coupe Aerrrmrnigue" gehabt. Wieweit er aber in der Anerkennung dieser beiden Kenner feinstenfranzösischen Stils und gewähltester Form kam, beweist unsdie Anekdote, welche er uns gelegentlich erzählt: Bnloz habeihm einst sein Bedauern ausgesprochen, daß die Kunst, einenguten Essay zu schreiben, jetzt bei den Franzosen ganz ab-handen komme; nur zwei verwünschte Preußen verständen sichnoch auf den Essay; der eine von ihnen sei Rudolf Lindau ;den Rainen des anderen habe er vergessen, fügt Hillebrandschalkhaft hinzu. Bei der hohen Achtung, welche man in