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Frankreich noch immer dem ernsten Schriftstellertnm entgegen-bringt, auch wenn es sich nicht in den Bahnen des zünf-tigen Gclehrtcntnms bewegt nnd nicht gerade der jeweiligherrschenden Politischen Richtung huldigt, hatte Hillebrand vonfeiten des Imperialismus keine Anfechtungen darüber zuleiden, daß er mit der oppositionellen Presse in Verbindungstand, llnd das um so weniger, als seine Arbeiten sich bisdahin auf rein litcrarische Gegenstände bezogen hatten. Dasaber wurde mit dem Jahre 1866 anders. Der Aufschwungwelcher durch den großen Krieg dieses Jahres nnd die mitihm begonnene Umgestaltung Deutschlands das nationale Be-wußtsein aller guten Deutschen nahm, mußte auch den Patrio-tismus des französischen Professors, der in dem heißen Drängeseiner Jugend zweimal für seine politischen Ideale die Waffenergriffen und seine Haut zu Markte getragen hatte, in die leb-hafteste Bewegung setzen. War er nun auch ein anderer gewordennnd sah dem Spiele der miteinander ringenden feindlichenGewalten ohne das Bedürfnis zu, sich daran irgendwie ak-tiv zu beteiligen, so litt es ihn nun doch nicht mehr in derstillen Prvoinzinlstadt, fernab von dem garenden Treibendes Tages. Er siedelte nach Paris über und fuhr wöchentlicheinmal nach dem doch ziemlich entfernten Douay, um seinenAmtspflichten zn genügen. Es erschien ihm dieses Leben inParis um so nötiger, als er sofort klar erkannte, daß wenner seinem Adoptivvaterland nnd seiner Heimat die Diensteleisten wolle, welche er gerade vielleicht am besten beidenwidmen könne, er in der Hauptstadt Frankreichs wohnen müsse.
Es ist ja vollkommen richtig, daß welthistorischen Kon-flikten nicht mit kleinen Mitteln vorgebeugt werden kann. Aberwer vermag die Form solcher Konflikte und ihre Zeit vorhergenau zn bestimmen nnd kann sich von der persönlichenVerpflichtung, ihren: Ansbruche entgegenzuwirken oder dochihre Schärfe herabzumildern, befreit erachten? Daß es nachder Schlacht von Sadowa leicht zn einem Zusammen-stoße zwischen Frankreich nnd Preußen kommen könne.