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daß alle Wahrscheinlichkeit dafür spreche, daß dieser Znsammen-stosj in nicht ferner Zeit erfolgen werde, das war eine diesseitswie jenseits der Vogesen oiclllerbreitete bestimmte Meinung.Dem kriegerischen Ubermnte vieler französischer Berufssoldatenund dem noch viel gefährlicheren Hass der Mitglieder derstreitenden Kirche Roms gegen den in dem Hvhenzollern-geschleehtc siegreichen Protestantismus schien nicht ohne großesBlutvergießen Genüge geschehen zu können. Aber wie Napo-leon III. , an dem Tage, da ihm die Nachricht von dem Aus-gange der Schlacht von Sudowa zukam, doch noch ganz an-deren Ideen zugänglich war, als denen der Furcht und derRache, er vielmehr einen deutschen Gelehrten auf seiner Durch-reise durch Paris ruhig empfing und mit ihm seine Gedankennach ganz anderen Seiten gehen ließ, konnten nicht vielleichtdoch noch auch die Geschicke der zwei großen Kulturvölkerfranzösischer und deutscher Zunge längere Tage freundlichnebeneinander hergehen und ein erträgliches Verhältniszwischen beiden sich herausbilden? Der Zündstoff, der zwischenFrankreich und Deutschland aufgehäuft war, war damals dochnoch nicht so gewaltig und gefährlich, als daß er sofort eineExplosion herbeiführen mußte. Es gab in Frankreich auchnoch starke Elemente, die der Konflagration entgegenarbeiteten.Namentlich in den Kreisen der Gelehrten hatte eine Richtungum sich gegriffen, die der Überschätzung französischen We-sens und französischer Leistungen eine gerechtere und billigereBeurteilung Deutschlands und seiner Verdienste um die Wis-senschaft entgegensetzte. Der große Teil der LandbevölkerungFrankreichs war auch nicht kriegerisch gesinnt. Auf dieseruhigeren Elemente zu wirken, eine bessere Erkenntnis derpolitischen und sozialen Zustünde Deutschlands in Frankreich allgemeiner zu verbreiten, hielt Hillebrand für seine Pflicht,für seine persönlichste Pflicht als geborner Deutscher und fran-zösischer Bürger. Er begann im „Journal des Debats " eineReihe von Artikeln zu veröffentlichen, die es sich zur Aufgabestellte», den Franzosen die Einigung Deutschlands unter der