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Jedoch nicht auf diesem praktisch litcrarischen Gebieteallein war Hillcbrand in den Jahren vor dein Ausbrnchc desgroßen Volkskrieges tätig. Wer in Frankreich wirken will,kann dabei der persönlichen Verbindungen noch viel wenigerentbehren, als in anderen Landern. Die gesellige Natur desVolkes, der Einfluß der Frauen, die seit Jahrhunderten aus-gebildeten Formen des Verkehrs bedingen es, daß hier kaumjemand Einfluß gewinnt und ihn behauptet, der nicht in denllmgangsformen vollkommen gewandt, durch sein persönlichesAuftreten Stimmung für sich und die von ihm vertretenenAnsichten zu machen imstande ist. Und dies verstand Hille-brand sehr gut. Hatten ihm seine Mitarbeiterschaft am „Jour-nal des Debats " und der „Revue" den Zutritt zu den unterdem Kaiserreiche, wenn auch nicht mehr so glänzenden, im-merhin aber doch noch einflußreichen Salons hervorragenderDamen verschafft, so wußte er sich dort vollkommen zu be-haupten und zur Geltung zu bringen. Ich habe ihn nichtsich in den Salons der Madame de Pcyronnet, die, eineEngländerin von Geburt, gleich der Gattin unseres Lands-mannes Jules Mohl , jahrelang die Spitzen der mit deinKaiserreiche frondierenden Gelehrten- und Schriftstcllcrwcltbei sich empfing, bewegen sehen; aber auch ohne das Zeug-nis Bambergcrs, der mit ihm hier verkehrte und seine großengeselligen Gaben zu bewundern Gelegenheit fand, wird dasjeder glauben, der ihn in seinem eigenen Hause in Florenz beobachtet hat, wie er die Polyglotte Gesellschaft, welche sichhier zu versammeln Pflegte, durch sein vielgcwandtes, sich nieausgebendes, immer, selbst unter körperlichen Leiden, auf-gelegtes, geschmeidiges Talent der Konversation und des Ver-kehrs zusammenzuhalten und zu beleben verstand. In denSalons der Madame de Pcyronnet hatte Hillebrand ja auchnicht die ersten Studien in diesem uns Deutschen sonst soschwer zugänglichen Gebiete der Canscrie gemacht. Leichten,unendlich rezeptiven und rasch produzierenden Geistes undmit der Willcuseuergie ausgerüstet, ohne die keine soliden