160
Kenntnisse erworben werden dabei durch sein männlich schönes,freundliches und gewinnendes Aeußere unterstützt — hatte er jaschon in Bordeaux Männer und Frauen für sich zu gewinnenverstanden. Jetzt in Paris , im vollkommenen Besitze vonAllem, was einem jungen Manne den Verkehr erleichtert,wusste er in Verbindung mit zahlreichen ausgezeichneten Män-nern und Frauen aller Nationen zu kommen und sie inihren persönlichen Eigentümlichkeiten und den feinen Nüan-cicrnngen ihres national bestimmten Geisteslebens sorgfältigzu beobachten. Ohne diese aus dem lebendigen Verkehre mitAngehörigen aller Völker geschöpfte große Menschenkenntniswürde es Hillebrand nicht gelungen sein, die Linien undFarben zu finden, welche seine Völkerpsychologischen Studienzu so sprechenden Gemälden des innersten Geisteslebens ganzerNationen gemacht haben. — Man kann es auffallend finden,daß die französische Regierung Hillebrand mehrere Jahre alsDozent an der unbedeutenden Akademie zu Donay beließ,daß sie ihn nicht nach Paris zog. Ob sein deutscher Ursprungseine Politische Haltung, der durch den Verkehr in dem oppo-sitionell gestimmten Salon der Madame de Peyronnet derStempel aufgedrückt war, dazu doch veranlaßt hat, weiß ichnicht zu sagen. Jedenfalls hatten seine Bücher, und da diesezum Teil nur überarbeitete Vorlesungen reproduzierten, auchseine Vortrüge sich großen Beifalls zu erfreuen. Kein Gerin-gerer als Gaston Paris bedauert es, daß von dreißig inDonay gehaltenen Vortragen zur italienischen Literaturgeschichteihr Autor in den ststuckes Iristorchues et litteraires. Dorne I:„Dtnckeg litternires" (Paris 1868) nur acht veröffentlicht habe, undversichert, es gebe keine bessere Einführung in das VerständnisDantes, als die erste dieser Vorlesungen. Ob es in der italieni-schen Literatur eine bessere Arbeit über die italienische Komödiegebe, als die hier gebotene, bezweifelt der französische Kritiker,in der französischen sei jedenfalls keine vorhanden.
Hatte Hillebrand diesen italienischen Studien einen an-deren Band folgen lassen wollen, der Abschnitte der deutschen