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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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Kabinett Vicussenx in Florenz so vollständig wie kaum eineandere Sammlung der Welt darbieten konnte, versenkte, solitt es ihn doch nicht, sich nur ganz allein mit ihm zn be-schäftigen. Sei es, daß manches neu erscheinende Werk, oderirgend ein älteres, auf das er jetzt erst bei seinen Studienstieß, ihn so interessierte, daß er das Bedürfnis empfand, sichüber dasselbe ansznsprechen, sei es, daß er, der ganz vonseiner Feder lebte, die essayistische Arbeit doch für befriedigenderhielt als die Abfassung von politischen Berichten für die an-gesehensten Blätter Deutschlands, Englands und Amerikas ,er begann sehr bald wieder seine Tätigkeit auf dem Gebietedes literar- und kulturhistorischen Versuchs. Wie wenig aberdoch hierbei die äußeren Rücksichten den Ausschlag gaben, kannman allein schon an dem Unternehmen beobachten, welcheser seit 1874 ins Leben gerufen hatte.

Hatte ihn nach seinem Weggange von Frankreich Italien freundlich aufgenommen, er in Florenz und Rom und überall,wohin er kam, unter Staatsmännern und Gelehrten neueFreunde sich erworben, so empfand er es gleichsam als einePflicht der Dankbarkeit gegen seine neue Heimat, nun auchdiese mit seinem Geburtslande inniger zn verbinden. Deshalbbeschloß er, ein Unternehmen ins Lebe» zu rufen, das schonwiederholt versucht, aber noch niemals dauernd gelungen war:ein periodisch erscheinendes Sammelwerk herauszugeben, dasden Deutschen eine genauere Kenntnis des modernen Italien vermitteln sollte, als er sie in der Regel bei seinen so zahl-reich nach Italien gekommenen Landslenten glaubte bemerktzn haben. Als Hillebrand im Oktober 1874 den ersten BandseinerJtalia" an die Öffentlichkeit treten ließ, wußte er,daß er kein lukratives Unternehmen mit ihr inauguriert habe.Das hinderte aber doch nicht, es zn versuchen. Als nachviermaliger Wiederholung des Jahrganges das deutsche Publi-kum nicht dafür zu erwärmen war, ließ er es mit dem Ge-fühle fallen, daß er nur seine Schuldigkeit getan habe, weitereAnstrengungen zu machen, aber nicht mehr verpflichtet sei.