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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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Die politischen Kämpfe, welche in Deutschland in jenen Jahrendas Interesse so vieler Kreise ganz absorbierten und natür-licherweise die Blicke vieler von der Fremde weg auf die.Heimat allein zurückwendeten, schadeten sicher dem wohl-gemeinten und trefflich ausgeführten Unternehmen. HätteHillebrand in jenen Jahren in Deutschland gelebt und diesich dort vollziehende Wandlung der Geister genauer beobachtenkönnen, als ihm dies von seiner immerhin doch zu entferntenZuschaucrloge in Florenz aus möglich war, er würde wahr-scheinlich den Versuch überhaupt nicht gewagt haben. Aberbereut hat er ihn sicher doch nicht. Nachdem dieJtalia"1877 znm letzten Male ausgegeben worden war, konnte sichunser Freund den Studien znr französischen Geschichte, vonwelcher der erste Band 1877 und der zlveite 1879 erschien,und seiner regelmäßigen Mitarbeiterschaft an derDeutschenRundschau" ausschließlicher widmen. Doch füllte ihn das nochnicht vollständig aus. Bei der ungemeinen Leichtigkeit, mitder er las und produzierte, wurde es ihm bei nicht allzugroßer täglicher Arbeitsdauer doch möglich, nicht nur gelegent-liche Arbeiten für das beste nordamerikanische WochenblattThe Nation," dieRassegna Settimanale," die angesehenstendeutschen und italienischen Journale, dieNnova Antologia"und dieFortnightly Review" zu schreiben, sondern er fandnoch die Zeit und die Kraft, diese Arbeiten nach einigenJahren wieder verändert und verbessert in der Sammlung:Zeiten, Völker und Menschen", von denen jetzt sechs Bändevorliegen, von neuem herauszugeben. Einige kleinere anonymeSchriften, von denen eine sogar eine zweite Auflage erlebthat, will ich hier gar nicht weiter erwähnen. Ebenso wenigdie in englischer Sprache veröffentlichten, in London gehal-tenen sechs Vortrüge über die Entwicklung der deutschen Ideevon dem siebenjährigen Kriege bis znm Tode Goethes.

Überblickt man diese staunenswerte litterarische Tätigkeit,welche Hillebrand so in zehn Jahren entfaltete, diese ganz sin-gnlärc Schaffensfreudigkeit und Lust, seine Ideen gleichzeitig