Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
187
Einzelbild herunterladen
 

187

hafte», dunkelbraune» Augen beherrscht. Bis kurz vor ihremTode ist ihr starkes Haar tiefschwarz geblieben. Voll höf-lichen und freundlichen Entgegenkommens, kam man bald mitihr in ein bedeutendes Gespräch, in dem sie den Widerpartnicht lange im unklaren über ihre wahre Meinung lies;.Humorvoll und dem Scherz nicht abgeneigt, beurteilte sie dieMenschen nicht hart. Nur wo sie glaubte, auf Gemeinheitzu stoßen, da konnte sie auch heftig im Ausdrucke werden.Von deutsch -protestantischer Gesinnung erfüllt, wußte sie wohl,daß jede der etablierten christlichen Kirchengemeinschaften eingutes Stück irdischen Ballastes mit sich schleppe, und wardaher über die dogmatischen Gegensätze hinweg. Der An-tisemitismus unserer Tage erfüllte sie geradezu mit Abscheu.Sie sprach den Predigern desselben, auch wenn sie Hofpredigerwaren, das Verständnis des wahren Christentums ab. Dieihren Erzählungen eigentümliche Mischung von konservativenÜberlieferungen und freien Standpunkten, die Konrad Fer-dinand Meyer so homogen berührte, trat auch überall inihren Gesprächen hervor. Nicht minder der warm patriotischeHauch, der sie durchdringt.

Es ist hier nicht der Ort, eine Analyse und kritischeWürdigung der Hauptwerke der auch persönlich so hoch acht-baren Dichterin zu geben. Dazu fehlt Zeit und Raum. Waskönnte auch mein Lob zum Ruhme der von den vorurteil-freiestcn Kritikern und angesehensten Dichtern unserer Tagegepriesenen Erzählerin beitragen! G. Freytag , der sie persön-lich nicht kannte, hat sieeine Dichterin von Gottes Gnaden"genannt, und der beste Kenner der modernen Weltliteratur,Karl Hillebrand , preistDie letzte Reckenburgerin" alseinin unserer Literatur fast einzig dastehendes Werk". Nochjetzt erinnert sich Frau Jessie Hillebrand gern, ihrem Gattenmit diesem Buche, auf das sie ihn aufmerksam gemacht, einehöchste Freude bereitet zu haben.

Und wie diese Kritiker haben auch zwei ausgezeichneteErzähler unserer Tage genrtcilt. Konrad Ferdinand Meyer,