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Prichards Untersuchungen über die Naturgeschichte der Men-schen, als ihm ein Landsmann von der Straße aus zurief,in Paris sei eine Revolution ausgebrochen und Louis Philipp sei verjagt. Diese Nachricht wirkte auf Bambcrger wie aufviele seiner Zeitgenossen, die zwar der Entwicklung der Dingein Frankreich mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt waren,aber gar nicht an aktive Bctätigung an dem politischeil Lebengedacht hatten, dennoch geradezu berauschend und erschütternd.
Sicher einer der begabtesten unter seinen Altersgenossen,von den Grundsätzen der französischen Revolution durchtränktund von den Lehren der radikalen deutscheil Philosophie erfüllt,stürzte sich von da ab Baniberger mit dem Feuereifer derJugend, die nur der Wahrheit lind der Reinheit ihrer Über-zeugungen ohne Rücksicht auf das Bestehende folgen zu müs-sen glaubte, in die Bewegung. Zunächst wollte er freilichnur sehen, wie sich die wiedergewonnene Freiheit in Frank-reich selbst ausuehine und machte mit seinen beiden Kame-raden einen Ausflug nach dem gut republikanischen Straß-burg . Da die drei neugierigen Reisenden aber dort als eineDeputation der deutschen studierenden Jugend gefeiert wurden,zogen sie es doch mit Rücksicht auf die heimischen Verhält-nisse vor, dieser ihnen aufgedrängten Rolle rasch zu entsagenund heimzukehren. In Mainz war die Bewegung unterdessenauch in lebhaften Fluß geraten. Die Mainzer hatten nochkeine Anhänglichkeit an die ihnen vom Wiener Kongresse auf-gedrungene Dynastie der hessischen Landgrafen. Die ältestenunter ihnen hatten die Zeiten noch erlebt, da ihre ErzbischöfeKurfürsteil und Erzkanzler des deutschen Reiches gewesenwaren, und die französische Revolution mit durchgemacht, diemittlere Generation, die nichts von den Schattenseiten die-ser Persönlich mehr empfunden, war liberal gesinnt, dieMasse der Jugend dagegen radikal. Alle sahen auf Darm-stadt mit seinem Großherzog etwas verächtlich herab. Unddas um so mehr, als in Mainz , das ja Bundcsfcstc war,der Landesherr nicht einmal durch sein Militär imponierte.