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cs in der Vorrede zu der Arnold Rüge gewidmeten Samm-lung dieser ungezwungenen Berichte heißt, „nun einmal leidernicht aus dem Holze geschnitzt ist, auf welchem die wohl-beleibten Bände wachsen", so ließ er sie „für die ihn besitzendeGegenwart" laufen. Dadurch verdanken wir ihm lebhafteBilder aus diesen drei Vorbereitungsjahren der Gründungdes deutschen Reiches, in denen das Zollparlament sich zumVollparlament auswachsen sollte. Gleichzeitig erfahren wiraus ihnen, welchen Eindruck die deutschen Angelegenheitenauf Bamberger machten, als er sie nun aus nächster Nähebeobachten konnte. Die süddeutschen Partikularisten schwarzerund roter Färbung waren durch das Jahr 1866 keineswegseines Besseren belehrt, ja hier und da noch trotziger geworden.Ihnen gilt daher zunächst der ganze Zorn des Bricfschreibers.Kaum ist wohl auch diese aus Jesuiten und Demagogenzusammengesetzte Gesellschaft mit ihrer Antipathie gegen jedenlebenskräftigen Staat, der sich von ihrem persönlichen Getriebenicht befriedigen und beherrschen läßt, besser gezeichnet undvor der Welt gegeißelt worden, als in dem ersten Brief (Ges.Sehr. IV, 181) geschehen ist. Man verzichtet heutigen Tagesdoppelt ungern darauf, die schlagenden Ausführungen aus-zuhebern
Aber auch vieles fand er an dem Preußischen Staats-organismus, seiner gegenwärtigen Regierung und der Art,wie man das Parlament behandele, zu tadeln. Dem Frci-geiste, der „die Freiheit als die Tochter der Philosophie an-sah", und der sich für Friedrich II. erwärmte, erschien „daspfäffische Luthertum als das schlimmste Gift im Blute despreußischen Staates". Die Macht, die es in den oberstenRegionen ausübe, galt ihm als eine für jede gesunde Weiter-entwicklung höchst gefährliche. Sprach er sich ferner entrüstetüber „den Götzendienst aus, der jetzt wieder mit dem Kriegegetrieben werde", so war er jedoch keineswegs ein Gegnerdes preußischen Soldatentums. Wie alles in seiner WeiseTüchtige wußte er auch dieses zu schätzen, und daß es nn-