Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
231
Einzelbild herunterladen
 

231

entbehrlich sei, hatte er den mit dein Pfeil und Bogen koket-tierenden süddeutschen Brüdcrn oft genug sagen müssen. Auchden echten preußischen Junker,diese Mischung von stuartischemKavalier, von preußischem Leutnant, von deutschem Feudal-herrn, von spanischem Don Quixote"^, wollte er doch vondem französischen Hobereau geschieden wissen. Das mußteer schon Bismarcks wegen tun, der doch aus ihm hervor-gegangen und damals wahrlich keinKrautjunker" war. Dochfand er, daß der süddeutsche Adel im allgemeineneine vielwärmere Temperatur besitze, die ihn viel menschlicher macheals den des deutschen Nordens und namentlich Preußens",lind doch hatte eben ein Mitglied von diesem es ihm angetanwie kein anderer Mensch. Denn man darf wohl sagen, daßkaum ein anderes Problem den beweglichen und scharfen,billig denkenden und feinfühligen Geist Bambergers so langeund so tief beschäftigt hat, als das, den Gründer des deutschenReiches richtig zu erfassen und ihm gerecht zu werden.

Als er seine politische Schriststellerei wieder aufgenommenhatte, trieb es ihn zunächst an, den Franzosen das Verständnisfür den Mann, der das neue deutsche Reich schaffen sollte,und damit zugleich ein Verständnis für die nationale Einheits-bewegung der deutschen Nation zu ermöglichen. Aus Deutsch-land im Spätherbst 1867 nach Frankreich zurückgekehrt, schrieber in dem Seebade Trouville seinen Essay: Nonsienr ckeLisinarcir,ein Buch, auf das ich stolz bin", wie der Ge-schilderte in der Reichstagssitzung vom 14. Juni 1882 selbstsagte^). In der Revue moderne im Februar 1868 zuerst er-schienen, wurde im Juni des Jahres eine Separatausgabe vonihm veranstaltet, die dann im 3. Bande derGesammeltenSchriften" wieder abgedruckt ist. Eine deutsche Übersetzung,welche Bamberger durch eine inhaltsvolle Einleitung,Deutsch-land, Frankreich und die Revolution" und durch einen Nach-

1) Herr von Bismarck, S. 8.

2) Bismarcks politische Reden Band ö S. 41S.