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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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trag vermehrte, erschien in Breslau im Herbste desselbenJahres i). Eine englische Übersetzung, die Charles Lee Lewes besorgte, erst im folgenden. Das Werkchcn beruht nurauf dem Eindrucke, den die Taten und Reden Bismarcks aufseinen Autor gemacht hatten. Mündliche Mitteilungen vonEingeweihten waren freilich hinzugekommen. Nichtsdesto-weniger ist diewunderbare Richtigkeit" der Zeichnung schonhier frappant. War Bismarck für Bamberger, schon ehe erihn gesehen hatte,ein höchst interessanter Mensch" ge-worden, was nachgerade, wie er etwas spöttisch hinzusetzt(1867), auch seine Gegner einräumen würden, so wurde erfür ihn, nachdem er ihn an der Arbeit gesehen und mit ihmzeitweise intim verkehrt hatte, ein noch viel wichtigeres Ob-jekt seines intensivsten Nachsinnens. Und das schon aus demeinfachen Grunde, weil er sein eigenes politisches Verhaltenauf einer möglichst vollkommenen Erkenntnis der Naturdieses Mannes aufbauen mußte. Das stille Vergnügen desnachschaffenden schriftstellerischen Künstlers hat dann nochdazu beigetragen, ihn immer wieder zu neuem Eindringen indie äußerst komplexe Natur des großen Mannes anzuregen.Ihn reizte dabei noch die schon früh gemachte Beobachtung,daß auch Bismarck sich nicht dem Naturgesetze entziehenkonnte,welches den auffallendsten Widersprüchen gestattete,sich in ein und demselben Individuum zusammenzufinden".So hat er denn auch, nachdem ihm selbst der Tod schonleise gewinkt hatte, noch seine letzte schriftstellerische Arbeitder Charakteristik seines größten Zeitgenossen nach dessenTode gewidmet. Gewiß, es lassen sich Schwankungen indem Urteile Bambergers über Bismarck nachweisen. Beikeinem Menschen bewegt sich das Urteil über einen Zeit-genossen, mit dem man ein Meuschenalter lang zu leben undviel zu streiten gehabt hat, in einer Richtung und auf der-selben Höhe der Stimmung. Und wie wäre das einem

t) Wegen dieser Zutaten zitiere ich nach dieser Ausgabe.