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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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Kämpfer gegenüber möglich gewesen,der sich sehr klar be-wußt war, daß er einem politischen Gegner gegenüber nichtgerecht sein darf, solange er mit ihm streitet" (Ges. Schr.V, 47), und der in der Wahl seiner Waffen nicht ängstlichwar. Doch sind diese Schwankungen keineswegs schr tief-gehende gewesen. Sie liegen in der ersten Schrift schon an-gedeutet vor. Aber niemals ist Bamberger von seiner Bewun-derung der Großtaten Bismarcks zurückgekommen. Bedenktman, daß er 1890 nach der Entlassung Bismarcks gegendessen Verkleinercr schreiben mochte:Preußen hätte drei

Moltkes und dreimal so große Heere haben können: ohneden Kopf Bismarcks wäre die Tat (die Gründung des Reiches)nie vollbracht worden", und nimmt hinzu, was er nach demTodedes geistbegnadigten Mannes" in seinemBismarckposthumns" (z. B. S. 56) ausgeführt hat, so wird man ihnwahrlich nicht in die Klasse der Thersites verweisen dürfen.Aber die deutsche Liebe ist heiß und leidenschaftlich, und dienaive Unwissenheit in politischen Dingen bei uns noch schrgroß. Dazu kam das Verlangen in den weiten Kreisen desdeutschen Philisteriums, einen Unfehlbaren zu haben, dessenFührung man sich zur eigenen Bequemlichkeit ruhig überlassenkönne. Es wurde daher bald jeder, der irgend eine nachden bisher geltenden sittlichen Anschauungen noch so be-gründete Ausstellung an demgewaltigen Erdensohne" zumachen hatte, des Verrates an der Nation geziehen unddessen Einsprache auf die kleinlichsten Motive zurückgeführt.Sicher, wenigstens was Bamberger betrifft, mit vollem Un-recht. Denn in diesem Punkte hat es vielleicht kaum zweientgegengesetztere Naturen gegeben als Bismarck und Bam-berger. Wird man von dem einen sagen dürfen, daß esschwerlich einen größeren Hasser als ihn gegeben habe, sowird man dein anderen glauben können, daß er bei allemEifer, aller Zähigkeit und Geschicklichkcit, seine Überzeugungenzu verteidigen und die schwachen Seiten seiner Gegner zuerkennen und anzugreifen, doch vom persönlichen Hasse weit